Der Ausbau der Moskauer Metro wirkt weit über die Hauptstadt hinaus. Neue Tunnel, Stationen und Züge schaffen langfristige Aufträge für Maschinenbauer und Zulieferer in zahlreichen Regionen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin spricht von einem starken Impuls für die gesamte russische Verkehrstechnik.
Beim Ausbau der Moskauer Metro wird derzeit so schnell gearbeitet wie seit fünf Jahren nicht mehr. In den ersten sieben Monaten des Jahres entstanden 14,7 Kilometer neue Tunnel. An 25 Stationen wurde gleichzeitig gebaut, zehn Tunnelbohrmaschinen waren im Einsatz.
Abgeschlossen wurde der Tunnelvortrieb für die Verlängerung der Arbatsko-Pokrowskaja-Linie bis zur neuen Station Goljanowo. Die Strecke soll später über den Moskauer Autobahnring hinaus bis in den Stadtbezirk Wostotschny weitergeführt werden. Gebaut wird außerdem an der Troizkaja- und der Rubljowo-Archangelskaja-Linie, an der neuen Station Dostojewskaja der Ringlinie sowie an der künftigen Birjuljowskaja-Linie.
Bis 2030 sollen weitere 69,1 Kilometer Strecke, 29 Stationen und drei Betriebshöfe entstehen. Nach Angaben der Moskauer Stadtverwaltung hat sich das Netz seit 2011 nahezu verdoppelt. Einschließlich des Moskauer Zentralrings wurden mehr als 270 Kilometer Strecke, 127 Stationen und 14 Depots gebaut oder grundlegend modernisiert.
Aufträge für zahlreiche Regionen
Das Investitionsprogramm wirkt zugleich wie ein Konjunkturprogramm für den russischen Maschinenbau. Die Moskauer Metro bestellt nicht einfach fertige Züge bei einem einzelnen Hersteller. Ihre Produktion ist auf eine lange Kette spezialisierter Zulieferbetriebe verteilt.
Die Fahrmotoren der neuen Züge kommen aus der Region Wladimir, die Getriebe aus Demichowo bei Moskau. Digitale Fahrgastinformationssysteme werden in der Region Rostow gefertigt. Unternehmen in Sankt Petersburg liefern Videoüberwachung und Türmechanismen, Betriebe in der Region Twer Klima- und Navigationsanlagen. Haltestangen stammen aus der Region Nischni Nowgorod, die Sitze für Fahrgäste und Lokführer aus Tatarstan.
Damit sichern die Bestellungen der Hauptstadt Arbeitsplätze in Dutzenden russischen Regionen. Zugleich geben die langfristig planbaren Großaufträge den Betrieben die Möglichkeit, Produktionsanlagen zu modernisieren und eigene technische Entwicklungen voranzutreiben.
In den vergangenen zehn Jahren erhielt die Moskauer Metro mehr als 5.000 neue Wagen. Für 2026 und 2027 ist die Lieferung weiterer 700 Wagen des Typs „Moskwa-2026“ vorgesehen. Sie sollen die Erneuerung der Samoskworezkaja-Linie abschließen und auf der neuen Rubljowo-Archangelskaja-Strecke eingesetzt werden.
Drei Jahrzehnte Arbeit pro Zug
Besonders wichtig für die Beschäftigung sind die sogenannten Lebenszyklusverträge. Der Hersteller liefert dabei nicht nur den Zug, sondern bleibt 30 Jahre lang für dessen technischen Zustand und Wartung verantwortlich. Aus einem einmaligen Kauf wird so ein jahrzehntelanger Auftrag für Produktion, Ersatzteile, Reparatur und technische Weiterentwicklung.
Der Anteil moderner Züge am Moskauer Fahrzeugbestand ist nach Angaben der Stadt seit 2010 von 13 auf inzwischen 80 Prozent gestiegen. Bis 2030 sollen mehr als 90 Prozent der Wagen einer neuen Generation angehören. Auf mehreren Linien, darunter der Ringlinie und der Großen Ringlinie, wurde der Fahrzeugbestand bereits vollständig ausgetauscht.
Moskaus Metroausbau ist damit mehr als ein städtisches Verkehrsprojekt. Die konzentrierte Kaufkraft der Hauptstadt wird zu einer Form staatlich gelenkter Industriepolitik: Moskau bestellt, regionale Fabriken produzieren – und die langfristigen Wartungsverträge halten die Auftragsbücher über Jahrzehnte gefüllt. Der Booster hat allerdings auch eine Kehrseite: Er zeigt, wie stark Teile des russischen Maschinenbaus inzwischen von den milliardenschweren Großprojekten der Hauptstadt abhängig sind.

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