Kreml bezeichnet Russlands Wirtschaft trotz schwachen Wachstums als stabil

Der Kreml sieht die wirtschaftliche Lage Russlands trotz nachlassender Wachstumsraten und zunehmender Belastungen weiterhin als stabil an. Die bestehenden Schwierigkeiten seien bekannt, hätten aber keinen kritischen Charakter, erklärte Präsidentensprecher Dmitri Peskow am Donnerstag vor Journalisten.

Die makroökonomische Stabilität des Landes sei vollständig gewährleistet, sagte Peskow. Präsident Wladimir Putin und die Regierung beschäftigten sich regelmäßig mit der wirtschaftlichen Entwicklung und wüssten, welche Maßnahmen zur Korrektur der gegenwärtigen Situation notwendig seien. Zugleich räumte der Kremlsprecher ein, dass die derzeitigen Wachstumsraten nicht ausreichten.

Peskow verwies außerdem auf die schwierige Lage der Weltwirtschaft. Internationale Konflikte und andere globale Verwerfungen wirkten sich auch auf Russland aus. Das Land könne von diesen Entwicklungen nicht vollständig isoliert bleiben. Damit stellte der Kreml die russischen Probleme zumindest teilweise in einen internationalen Zusammenhang.

Die Stellungnahme folgte auf eine Reihe zurückhaltender Konjunkturmeldungen. Die von der russischen Zentralbank befragten Analysten senkten ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2026 zuletzt von 0,7 auf 0,6 Prozent. Für 2027 wurde die Erwartung von 1,5 auf 1,3 Prozent herabgesetzt. Gleichzeitig wurden die Prognosen für Inflation und Leitzins angehoben. Für 2026 rechnen die Experten nun mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 6,2 Prozent und einem Leitzins von 14,5 Prozent.

Auch innerhalb der russischen Wirtschaftselite wird über den Zustand der Konjunktur gestritten. Sberbank-Chef German Gref hatte die Wirtschaft als „unterkühlt“ bezeichnet und auf die schwache Investitionstätigkeit infolge der hohen Zinsen verwiesen. Zentralbankchefin Elwira Nabiullina widersprach dieser Bewertung. Gegen eine ausgeprägte Unterkühlung spreche unter anderem, dass die Arbeitslosigkeit nicht steige und die Löhne weiterhin schneller wüchsen als die Produktivität.

Zusätzlichen Druck zeigen die jüngsten Haushaltszahlen. Nach Angaben des staatlichen Portals „Elektronisches Budget“ könnten die föderalen Ausgaben 2026 rund 45,11 Billionen Rubel erreichen. Das wären gut eine Billion Rubel mehr als die ursprünglich im Haushaltsgesetz vorgesehenen 44,07 Billionen Rubel. Da die erwarteten Einnahmen unverändert bei 40,28 Billionen Rubel liegen, würde das Haushaltsdefizit auf etwa 4,83 Billionen Rubel steigen. Vorgesehen waren bislang 3,79 Billionen Rubel beziehungsweise 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Bereits im ersten Halbjahr belief sich das Defizit nach vorläufigen Angaben des Finanzministeriums auf 5,7 Billionen Rubel. Die Regierung erklärt den hohen Zwischenstand vor allem mit vorgezogenen Ausgaben und der frühzeitigen Finanzierung staatlicher Aufträge.

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