Russland bringt die beschädigten Nord-Stream-Pipelines erneut als Option für Gaslieferungen nach Deutschland ins Gespräch. Präsident Wladimir Putin erklärte am Rande des Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums, die verbliebene intakte Leitung von Nord Stream 2 könne im Prinzip sehr schnell in Betrieb genommen werden. Technisch genüge es, „einen Knopf zu drücken“, sagte Putin sinngemäß. Politisch aber liege die Entscheidung bei der Bundesregierung.
Nach Putins Darstellung habe Gazprom nie auf Lieferungen nach Deutschland verzichtet. Das Unternehmen sei bereit, die Gaslieferungen wieder aufzunehmen; zudem bestünden weiterhin vertragliche Beziehungen mit Partnern in Deutschland. Die russische Seite versucht damit, Nord Stream wieder als wirtschaftlich naheliegende Lösung für hohe Energiepreise in Europa zu präsentieren – allerdings unter Ausblendung der politischen Realität seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine.
Bereits zuvor hatte Kirill Dmitrijew, Chef des Russischen Direktinvestitionsfonds und Sonderbeauftragter des Präsidenten für internationale Wirtschaftskooperation, erklärt, eine Wiederherstellung der Nord-Stream-Infrastruktur sei technisch möglich. Er sprach von „vernünftigen Kräften“ in Europa und Deutschland, die daran interessiert seien. Als wichtiges Signal nannte Dmitrijew ausdrücklich die Position der AfD, die eine Untersuchung der Anschläge auf die Pipelines sowie eine Wiederaufnahme der Energiebeziehungen mit Russland fordert.
Damit verbindet Moskau die technische Botschaft mit einer innenpolitischen Flanke in Deutschland. Die AfD argumentiert seit längerem, Deutschland solle wieder russisches Gas beziehen, um Energiepreise zu senken und die Industrie zu entlasten. Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg trat AfD-Politiker Markus Frohnmaier auf und traf nach eigenen Angaben auch Gazprom-Chef Alexej Miller sowie Kirill Dmitrijew. Nach Reuters-Angaben hatte das Auswärtige Amt der AfD von solchen Reisen ausdrücklich abgeraten.
Die Nord-Stream-Pipelines waren am 26. September 2022 durch Explosionen in der Ostsee schwer beschädigt worden. Drei der vier Leitungsstränge wurden zerstört oder unbrauchbar gemacht. Eine Leitung von Nord Stream 2 blieb nach russischer Darstellung intakt. Nord Stream 2 war zwar fertiggestellt, wurde jedoch nie regulär in Betrieb genommen; die Zertifizierung war kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine gestoppt worden.
In Russland wird das Thema seit Monaten immer wieder aufgegriffen. Die Botschaft ist klar: Moskau stellt sich als lieferbereit dar und verweist auf deutsche Energieprobleme. Zugleich nutzt der Kreml das Thema, um politische Bruchlinien in Deutschland sichtbar zu machen – zwischen jenen, die jede Rückkehr zu russischem Pipelinegas ablehnen, und jenen, die wirtschaftliche Entlastung über geopolitische Distanzierung stellen.
Für Berlin wäre eine Reaktivierung jedoch weit mehr als eine technische Frage. Sie würde nicht nur den energiepolitischen Kurs seit 2022 infrage stellen, sondern auch die Unterstützung für die Ukraine, die Sanktionspolitik und die mühsam aufgebaute Verringerung der Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. Deshalb bleibt Putins „Knopfdruck“-Formel vor allem ein politisches Angebot mit propagandistischem Unterton: Russland signalisiert Bereitschaft, Deutschland soll als derjenige erscheinen, der billiges Gas aus politischen Gründen ablehnt.
Ob daraus mehr wird, ist derzeit nicht absehbar. Die Bundesregierung hat sich in der Vergangenheit gegen eine Rückkehr zu Nord Stream positioniert. Doch Moskau setzt erkennbar darauf, dass hohe Energiepreise, industrielle Sorgen und innenpolitischer Druck das Thema in Deutschland am Leben halten.

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