Russlands Privatbankrotte steigen weiter – immer mehr Jüngere betroffen

Russlands Privatbankrotte steigen weiter – immer mehr Jüngere betroffen

In Russland nimmt die Zahl der Privatinsolvenzen weiter zu. Im ersten Quartal 2026 erklärten Gerichte 137.500 Bürger für zahlungsunfähig – 13,7 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Seit Einführung des Verfahrens vor zehn Jahren haben damit bereits mehr als 2,2 Millionen Menschen in Russland eine persönliche Insolvenz durchlaufen.

Besonders auffällig ist der demografische Wandel unter den Schuldnern. Nach Angaben von Fedresurs, auf die sich Kommersant beruft, stellen Millennials inzwischen fast die Hälfte aller Privatbankrotte. Auf die Generation Y, also die Jahrgänge 1981 bis 1996, entfielen im ersten Quartal 47 Prozent der Fälle. Dahinter folgen Angehörige der Generation X mit 26 Prozent. Der Anteil der Generation Z stieg binnen eines Jahres von 15 auf 20 Prozent. Die älteren Babyboomer spielen dagegen mit nur noch sieben Prozent eine deutlich geringere Rolle als zuvor.

Auch nach Geschlecht zeigt sich ein klares Bild: Frauen gehen häufiger in die Privatinsolvenz als Männer. Ihr Anteil liegt bei 56 Prozent, der der Männer bei 44 Prozent. Experten erklären dies unter anderem mit einer hohen Kreditbelastung im Einzelhandel und bei Mikrofinanzorganisationen – oft im Zusammenhang mit laufenden Ausgaben für Familie und Haushalt.

Die hohe Zahl der Bankrotte verweist auf die wachsende Belastung vieler russischer Haushalte durch Konsumkredite, Mikrokredite und sinkende finanzielle Spielräume. Gleichzeitig ist das Verfahren für Schuldner offenbar weniger berechenbar geworden. Während Privatinsolvenz in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als Weg zur vollständigen Entschuldung gilt, verweigern Gerichte inzwischen deutlich häufiger die Streichung offener Forderungen.

Im ersten Quartal 2026 wurde mehr als 2.200 bereits bankrott erklärten Bürgern die Restschuldbefreiung verweigert. Das entspricht 2,1 Prozent der Fälle, nach 1,1 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das Risiko, trotz durchlaufener Insolvenz nicht von den Schulden befreit zu werden, hat sich damit laut Kommersant innerhalb eines Jahres um das 2,6-Fache erhöht.

Für Gläubiger bleibt das Verfahren dennoch meist wenig ergiebig. Die Gesamtsumme der angemeldeten Schulden lag im ersten Quartal bei 239,1 Milliarden Rubel, 20,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. An Gläubiger ausgezahlt wurden aber nur 14,5 Milliarden Rubel. Die Rückzahlungsquote liegt damit weiterhin bei lediglich etwa sechs bis sieben Prozent. In 94 Prozent der Fälle verfügen die Schuldner schon zu Beginn des Verfahrens über kein nennenswertes Vermögen.

Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Behörden und Gerichte den Zugang zur Entschuldung strenger prüfen wollen. Experten sprechen davon, dass der Staat die „kleine Tür“ zur massenhaften Verbraucherinsolvenz wieder enger machen wolle – auch durch ein schärferes Vorgehen gegen Firmen, die aggressiv mit schneller Schuldenbefreiung werben.

Bemerkenswert ist zudem, dass einige Russen bereits mehrfach den Weg in die Insolvenz gegangen sind. Nach Angaben von Fedresurs wurden 7.500 Bürger schon zweimal für zahlungsunfähig erklärt, 49 Personen sogar dreimal. Da das Gesetz eine Sperrfrist von fünf Jahren für eine erneute Insolvenz vorsieht, zeigt dies, wie lange das Instrument inzwischen Teil der russischen Schuldenrealität ist.

Für den russischen Staat entsteht damit ein doppeltes Problem. Einerseits bietet das Verfahren überschuldeten Bürgern einen legalen Ausweg aus einer wirtschaftlich aussichtslosen Lage. Andererseits wächst die Sorge, dass Privatbankrott zu häufig als bequemer Mechanismus zum Abwerfen von Konsumschulden genutzt wird – während Gläubiger nur einen Bruchteil ihrer Forderungen zurückerhalten. Die jüngsten Zahlen zeigen deshalb nicht nur eine soziale Belastung vieler Haushalte, sondern auch eine zunehmende juristische und politische Neubewertung der Privatinsolvenz in Russland.

Kommentare