Die wirtschaftliche Lage russischer Taxiunternehmen hat sich deutlich verschlechtert. Nach einer im Mai durchgeführten Umfrage des Nationalen Taxirats unter 100 Unternehmen meldeten 81 Prozent der befragten Taxiparks sinkende Umsätze. Noch dramatischer sieht es bei den Gewinnen aus: 90 Prozent der Unternehmen berichteten von einem Rückgang des Nettogewinns. Zugleich klagten 60 Prozent über wachsende Verbindlichkeiten, 69 Prozent über eine höhere Steuerlast.
Branchenvertreter sprechen von den schwierigsten Bedingungen seit Bestehen des Marktes. Als Hauptgründe werden steigende Kosten, strengere gesetzliche Auflagen und eine höhere steuerliche Belastung genannt. Besonders schwer wiegt der starke Anstieg der Fahrzeugpreise. Modelle wie Hyundai Solaris, Kia Rio, Renault Logan oder Volkswagen Polo, die früher massenhaft im Taxigeschäft eingesetzt wurden, kosteten einst weniger als eine Million Rubel. Heute liegen die Preise für geeignete Fahrzeuge häufig bei 2,5 bis 4 Millionen Rubel oder noch höher.
Hinzu kommen höhere Ausgaben für Leasing, Versicherungen, Reparaturen und die Erneuerung der Fahrzeugflotte. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern sind die Investitionskosten der Taxiparks in den vergangenen Jahren um das Zwei- bis Dreifache gestiegen. Zusätzlichen Druck erzeugt das seit März 2026 geltende Gesetz zur Lokalisierung von Fahrzeugen, das die Auswahl zulässiger Modelle für die Branche weiter einschränkt.
Die steigenden Kosten lassen sich offenbar kaum auf die Fahrgäste abwälzen. Nach Angaben von Rosstat verteuerten sich Taxifahrten im April russlandweit nur um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – auf durchschnittlich 48,14 Rubel pro Kilometer. In Moskau lag der Anstieg bei 5,8 Prozent, in St. Petersburg bei 3,1 Prozent. Damit blieben die Tarifsteigerungen unter der allgemeinen Inflationsrate, die im April bei 5,58 Prozent lag.
Für die Unternehmen bedeutet das: Die Einnahmen steigen zu langsam, um die höheren Kosten auszugleichen. Würden Taxiparks die Belastungen vollständig an die Kunden weitergeben, könnte die Nachfrage deutlich zurückgehen. Ein Anbieter formulierte es sinngemäß so: Wenn die Preise zu stark steigen, gebe es am Ende niemanden mehr zu befördern.
Neben den Kostenproblemen leidet die Branche unter Fahrermangel. Nach Einschätzung des Verbandes der Selbständigen Russlands fehlen im Bereich der Personenbeförderung mit Pkw rund 30 Prozent der Fahrer. Parallel dazu wächst der informelle Markt. Immer mehr Fahrgäste vereinbaren Fahrten direkt mit Fahrern über Bekannte, lokale Gruppen oder Messenger. Nach Schätzungen hat sich die Zahl solcher illegaler Chats in den vergangenen eineinhalb Jahren fast verdreifacht. In Telegram und VK sollen inzwischen rund 11.300 illegale Kanäle mit einer Gesamtreichweite von 22,7 Millionen Menschen aktiv sein.
Die Folgen könnten spürbar werden. Branchenvertreter erwarten, dass sich die finanzielle Lage der Taxiparks weiter verschlechtert. Einzelne Experten rechnen damit, dass bis Ende 2026 rund 30 bis 40 Prozent der Taxiparks vom Markt verschwinden könnten. Besonders gefährdet sind kleinere Unternehmen, die ihre Flotten unter den heutigen Bedingungen kaum noch erneuern und zugleich profitabel bleiben können.
Als mögliche Gegenmaßnahmen nennt die Branche subventioniertes Leasing, steuerliche Erleichterungen und eine flexiblere Liste der für den Taxibetrieb zugelassenen Fahrzeuge. Ohne solche Hilfen droht dem russischen Taximarkt eine weitere Verengung: weniger legale Anbieter, weniger verfügbare Fahrer, höhere Preise für Fahrgäste – und zugleich ein wachsender Schattenmarkt, der sich staatlicher Kontrolle weitgehend entzieht.

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