Kreml räumt Rückgangstendenz in Russlands Wirtschaft ein

Kreml räumt Rückgangstendenz in Russlands Wirtschaft ein

Der Kreml hat eine rückläufige Tendenz in der russischen Wirtschaft eingeräumt. Präsidentensprecher Dmitri Peskow sagte am Mittwoch, es gebe derzeit einen „gewissen Anteil eines Rückgangs“ beim russischen Bruttoinlandsprodukt. Zugleich betonte er, Regierung und Präsident Wladimir Putin arbeiteten an Maßnahmen, um diese Entwicklung wieder in Wachstum zu verwandeln.

„Ein gewisser Anteil eines Rückgangs kann es natürlich geben, und es gibt ihn“, sagte Peskow bei einem Pressegespräch. Die Regierung und der Präsident träfen Maßnahmen und entwickelten Entscheidungen, die darauf gerichtet seien, „diese negative Tendenz in eine Wachstumstendenz zu verändern“.

Peskow stellte die Entwicklung in den Zusammenhang mit der Abkühlung der Wirtschaft zu Jahresbeginn. Dieser Prozess sei erwartet worden und habe der Sicherung makroökonomischer Stabilität gedient. Damit verwies der Kreml auf die in Russland seit Monaten diskutierte Balance zwischen Inflationsbekämpfung, hohen Zinsen und nachlassender wirtschaftlicher Dynamik.

Bereits Mitte April hatte Putin bei einer Beratung mit Regierungsmitgliedern erklärt, die Wirtschaft habe sich schwächer entwickelt als von Analysten und Zentralbank erwartet. Für Januar und Februar 2026 nannte er damals einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,8 Prozent. Zugleich forderte er, die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Nach Angaben des russischen Wirtschaftsministeriums schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal insgesamt um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im März wurde dagegen wieder ein Plus von 1,8 Prozent gemeldet, nachdem im Februar noch ein Rückgang von 1,1 Prozent verzeichnet worden war.

Die russische Zentralbank geht in ihrer April-Prognose für 2026 weiterhin von einem Wachstum zwischen 0,5 und 1,5 Prozent aus. Das Wirtschaftsministerium hatte im September noch 1,3 Prozent erwartet; Ressortchef Maxim Reschetnikow hatte jedoch Ende März bereits angekündigt, dass die neue Schätzung niedriger ausfallen werde. Auch die Sberbank senkte ihre Prognose und erwartet für 2026 nur noch ein Wachstum zwischen 0,5 und 1 Prozent.

Die Äußerung Peskows ist damit kein dramatisches Krisensignal, aber ein bemerkenswerter Tonwechsel. Der Kreml spricht nicht mehr nur von einer kontrollierten Abkühlung, sondern räumt ausdrücklich ein, dass sich in Teilen der Wirtschaft eine negative Dynamik zeigt. Zugleich bleibt die offizielle Linie, dass diese Entwicklung beherrschbar sei und durch staatliche Maßnahmen wieder in Wachstum überführt werden könne.

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