Zahl der Selbständigen in Russland steigt auf 16,8 Millionen

Zahl der Selbständigen in Russland steigt auf 16,8 Millionen

Die Zahl der offiziell registrierten Selbständigen in Russland ist innerhalb eines Jahres um mehr als drei Millionen auf 16,8 Millionen gestiegen. Damit kamen im Durchschnitt täglich etwa 8.400 neue Steuerpflichtige hinzu. Besonders kräftig wächst diese Form der Beschäftigung inzwischen außerhalb der großen Metropolen.

Grundlage der Statistik sind Daten der russischen Steuerbehörde FNS zum 30. Juni 2025 und 2026. Erfasst werden Personen, die die sogenannte Steuer auf berufliches Einkommen entrichten. Das vereinfachte Steuermodell richtet sich vor allem an Solo-Selbständige und Menschen, die neben ihrer regulären Beschäftigung zusätzliche Einkünfte erzielen.

Fast die Hälfte aller registrierten Selbständigen lebt weiterhin in den zehn wirtschaftsstärksten Regionen des Landes. Moskau liegt mit 2,4 Millionen Personen deutlich an der Spitze, gefolgt vom Moskauer Gebiet mit 1,2 Millionen und St. Petersburg mit 1,1 Millionen. Zusammen entfallen auf diese drei Regionen 28 Prozent aller Selbständigen.

Bei der Wachstumsdynamik liegen jedoch zunehmend andere Landesteile vorn. Während die Zahl in Moskau innerhalb eines Jahres um 16,1 Prozent zunahm, betrug der landesweite Zuwachs 22,3 Prozent. Im Gebiet Jaroslawl stieg die Zahl der Selbständigen um 31,8 Prozent, im Gebiet Archangelsk um 31,1 Prozent und in der Region Chabarowsk um 29,5 Prozent. Auch die Gebiete Leningrad, Kostroma, Wladimir, Murmansk und Tjumen sowie Mari El und der Autonome Kreis der Jamal-Nenzen verzeichneten überdurchschnittliche Zuwächse.

Als eine Ursache gilt die weitere Ausbreitung von Taxi-, Liefer- und anderen Dienstleistungsplattformen in den Regionen. Hinzu kommt, dass kleine und mittlere Unternehmen häufiger mit Selbständigen zusammenarbeiten als Großkonzerne. Jeweils 22 Prozent der kleinen und mittleren Firmen nehmen ihre Dienste in Anspruch, bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten sind es lediglich 13 Prozent.

Ökonomen sehen in dem Wachstum derzeit weniger eine Verdrängung regulärer Arbeitsverhältnisse. Viele Russen versuchten vielmehr, angesichts der hohen Inflation und der sinkenden Kaufkraft ihrer Gehälter zusätzliche Einkommensquellen zu erschließen. Die Statistik bildet daher nicht nur einen Aufschwung unternehmerischer Tätigkeit ab, sondern auch die zunehmende Bedeutung von Nebenerwerb.

Mit dem schnellen Wachstum hält die soziale Absicherung allerdings nicht Schritt. Freiwillige Beiträge zur Renten- und Sozialversicherung bleiben bei Selbständigen wenig verbreitet. Im ersten Quartal nahm der russische Sozialfonds lediglich 8,5 Prozent der für das Gesamtjahr erwarteten freiwilligen Rentenbeiträge und 0,5 Prozent der geplanten Beiträge zur Sozialversicherung ein. Die weitere Entwicklung dürfte deshalb auch davon abhängen, ob es gelingt, für die inzwischen 16,8 Millionen Selbständigen ein tragfähiges System sozialer Absicherung aufzubauen.

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