Weniger Russen gelten als arm – der reale Einkommenszuwachs bleibt gering

Weniger Russen gelten als arm – der reale Einkommenszuwachs bleibt gering

Nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat lebten im zweiten Quartal 2026 sieben Prozent der Bevölkerung unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Das waren 0,4 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stiegen die real verfügbaren Einkommen lediglich um 1,5 Prozent.

Der Anteil der Menschen mit einem Einkommen unterhalb der russischen Armutsgrenze ist nach den jüngsten Rosstat-Daten weiter gesunken. Im zweiten Quartal lag er bei sieben Prozent, gegenüber 7,4 Prozent im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Einkommensschwelle betrug rund 17.800 Rubel monatlich, nach 17.600 Rubel im ersten Quartal. Die Zahlen veröffentlichte Expert unter Berufung auf Rosstat.

Im ersten Quartal hatte die Armutsquote noch 7,7 Prozent betragen. Für die Beurteilung der Entwicklung ist allerdings der Jahresvergleich aussagekräftiger: Einkommen und Auszahlungen können innerhalb eines Jahres saisonal schwanken. Der Rückgang um 0,4 Prozentpunkte gegenüber dem zweiten Quartal 2025 zeigt die Veränderung zwischen vergleichbaren Jahresabschnitten.

Rosstat führt die niedrigere Armutsquote auf gestiegene Löhne und Sozialleistungen zurück. Die monetären Einkommen der Bevölkerung erhöhten sich im zweiten Quartal nominal um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Berücksichtigung der Preisentwicklung blieb davon ein realer Zuwachs von 1,1 Prozent.

Die real verfügbaren Einkommen, bei denen zusätzlich Pflichtzahlungen berücksichtigt werden, stiegen um 1,5 Prozent. Diese Kennzahl beschreibt den finanziellen Spielraum der Haushalte genauer als der nominale Einkommenszuwachs. Die im Bericht genannte Inflationsrate für den Zeitraum betrug 5,64 Prozent. Höhere Preise zehrten damit einen großen Teil der zusätzlichen Einnahmen auf.

Deutlich kräftiger entwickelten sich die durchschnittlichen Löhne. Sie lagen im zweiten Quartal bei 111.400 Rubel und damit nominal 10,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Real betrug der Zuwachs nach Rosstat-Angaben 4,4 Prozent. Die durchschnittliche bewilligte Rente erreichte 25.400 Rubel, ein nominales Plus von 8,3 Prozent.

Der große Abstand zwischen Durchschnittslohn und Armutsgrenze ist erklärungsbedürftig. Beide Werte beschreiben unterschiedliche Sachverhalte. Der Durchschnittslohn bezieht sich auf Beschäftigtenverdienste; für die Armutsmessung zählt das Pro-Kopf-Einkommen der Haushalte. Ein Erwerbseinkommen muss gegebenenfalls auch Kinder oder andere Haushaltsmitglieder versorgen. Zudem lässt sich aus dem arithmetischen Durchschnitt nicht ablesen, was ein typischer Beschäftigter verdient: Hohe Gehälter können den Mittelwert deutlich anheben.

Auch die Armutsquote hat eine begrenzte Aussagekraft. Sie zeigt, welcher Bevölkerungsanteil unter einer festgelegten Einkommensschwelle liegt. Sie sagt nicht, wie viele Menschen diese Grenze nur knapp überschreiten oder welchen finanziellen Belastungen sie gegenüberstehen. Ebenso wenig lässt sich aus den landesweiten Durchschnittszahlen erkennen, wie unterschiedlich sich die Lage einzelner Bevölkerungsgruppen entwickelt.

Die offiziellen Daten weisen somit auf einen Rückgang der gemessenen Einkommensarmut hin. Der Zuwachs von lediglich 1,5 Prozent bei den real verfügbaren Einkommen zeigt zugleich, dass sich der finanzielle Spielraum der Bevölkerung insgesamt nur moderat vergrößert hat.

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