Unternehmerverband erwartet keine weitere Zinssenkung

Unternehmerverband erwartet keine weitere Zinssenkung

Der Präsident des russischen Unternehmerverbands RSPP, Alexander Schochin, rechnet beim nächsten Zinsentscheid der Zentralbank bestenfalls mit einer Beibehaltung des Leitzinses. Eine weitere Senkung, auf die viele Unternehmen angesichts hoher Finanzierungskosten hoffen, hält er derzeit offenbar für unwahrscheinlich.

Schochin sagte laut „Expert“, die Zentralbank werde den Leitzins auf ihrer nächsten Sitzung „im besten Fall“ unverändert lassen. Hintergrund ist neben der allgemeinen Inflationslage vor allem die angespannte Lage auf dem russischen Treibstoffmarkt. Höhere Benzin- und Dieselpreise könnten nach Einschätzung der Zentralbank die Inflationserwartungen zusätzlich anheizen. Das nächste Treffen des Direktoriums der Zentralbank ist für den 24. Juli angesetzt.

Der RSPP-Chef hält eine Zinserhöhung wegen der Treibstoffpreise allerdings für den falschen Weg. Steigende Kraftstoffpreise seien ein nicht-monetärer Inflationstreiber. Dagegen mit den Instrumenten der Geldpolitik vorzugehen, sei wenig wirksam. Wenn Benzin knapper und teurer wird, helfen höhere Zinsen den Unternehmen nicht, mehr Treibstoff zu bekommen – sie verteuern lediglich Kredite und Investitionen.

Für die russische Wirtschaft ist das eine zentrale Frage. Die Zentralbank versucht seit Monaten, die Inflation und die Inflationserwartungen unter Kontrolle zu halten. Die Unternehmen drängen dagegen auf günstigere Finanzierung, weil hohe Zinsen Investitionen bremsen und die Nachfrage abkühlen. Schochin hatte bereits zuvor erklärt, die Wirtschaft brauche nicht mehr nur ein „Tauwetter“, sondern „sommerliche Wärme“ – also eine spürbarere Lockerung der Geldpolitik.

Die Zentralbank steht damit vor einem Zielkonflikt. Eine zu schnelle Zinssenkung könnte den Inflationsdruck wieder erhöhen. Eine zu lange Phase hoher Zinsen belastet jedoch Unternehmen, Investitionsprogramme und Konsum. Schochins Aussagen zeigen, dass der Großunternehmerverband die Geldpolitik zunehmend als Wachstumsbremse wahrnimmt.

Eine schnelle Entspannung ist nach seiner Einschätzung nicht zu erwarten. Sollte die Zentralbank den Leitzins am 24. Juli tatsächlich nur halten, bliebe die Geldpolitik vorerst restriktiv. Für viele Unternehmen hieße das: Kredite bleiben teuer, Investitionen werden weiter verschoben, und die Hoffnung auf eine rasche konjunkturelle Erleichterung müsste erneut vertagt werden.

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