Russland will mehr Abfälle als Rohstoffe nutzen. Doch nach Angaben der Umweltaufsicht Rosprirodnadsor waren die erfassten Verwertungskapazitäten 2025 nur zu 43 Prozent ausgelastet. Das berichtete die stellvertretende Behördenleiterin Tatjana Kusnezowa bei einem Branchentreffen, über das Kommersant am 18. September berichtete.
Die Zahl bezeichnet die Auslastung von Anlagen, nicht den Anteil recycelter Abfälle. Welche Kapazitäten die Auswertung genau umfasst, geht aus dem Bericht nicht vollständig hervor.
Unternehmensvertreter beschrieben Probleme entlang der gesamten Verarbeitungskette: unzureichende Sortierung, schwierige Logistik und fehlende verlässliche Abnehmer für Recyclingmaterial. Hinzu kämen langwierige Genehmigungen und unklare Zuständigkeiten. Gleichzeitig fehlen nach Angaben der Association of European Businesses Anlagen für bestimmte gefährliche Abfälle, etwa Pestizidverpackungen. Ungenutzte Kapazitäten und Engpässe können somit nebeneinander bestehen.
Auch das Industrieministerium erkennt Handlungsbedarf. Vizeindustrieminister Alexei Matuschanski erklärte, Kontrolle allein schaffe weder Technologien noch Absatzmärkte. Eine mit Rosstandart vereinbarte Standardisierung bis 2029 soll Sekundärrohstoffe für industrielle Käufer verlässlicher machen.
Das föderale Projekt „Kreislaufwirtschaft“ sieht vor, bis 2030 mindestens ein Viertel der Abfälle wieder wirtschaftlich zu nutzen. Die Diskussion zeigt jedoch: Dafür müssen Sammlung, Verarbeitung und Nachfrage zusammenpassen. Neue Anlagen können ihre Aufgabe erst erfüllen, wenn geeignetes Material ankommt – und das gewonnene Produkt Käufer findet.

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