„Nord Stream 2“ – Chance für Investoren oder Rohrkrepierer?

„Nord Stream 2“ – Chance für Investoren oder Rohrkrepierer?

Rund um das Thema „Nord Stream 2“ muss folgender Sachverhalt bedacht werden: Eine erste Gaspipeline mit zwei Strängen wurde bereits realisiert und ist in Betrieb. Mit „Nord Stream 2“ soll über dieselbe Route durch die Ostsee eine Verdopplung der Kapazität beim Transport von russischem Gas nach Deutschland erzielt werden. Und dieses umstrittene zweite Pipeline-Projekt befindet sich seit 2018 ebenfalls schon in der Umsetzung.

„Nord Stream 2“ erhitzt die Gemüter, doch die einfache Frage „Rohrkrepierer oder Chance für Investoren?“ ist schwierig zu beantworten. Zu viele politische Interessen und Wirtschaftlichkeitsszenarien spielen eine Rolle.

Werfen wir einen Blick auf die beteiligten Unternehmen und die betroffenen Länder.

Den direkten Bau und die Planungen organisiert die Nord Stream AG mit Sitz in der Schweiz. Deren Hauptanteilseigner ist mittlerweile das russische Energieunternehmen Gazprom. Zuvor haben sich die bis dahin beteiligten westeuropäischen Unternehmen Wintershall, Uniper (vormals E.ON), Royal Dutch Shell, OMV und ENGIE aus dem Projekt zurückgezogen.

Allerdings bekundeten sie wenig später, jeweils zehn Prozent des Baus mitfinanzieren zu wollen. Offizielles Ziel des Projektes ist eine verbesserte Gasversorgung für Mitteleuropa, denn die „Nord Stream“-Gasleitung ist der kürzeste Weg von den nordrussischen Gasfeldern nach Deutschland unter Umgehung nörgelnder Drittstaaten.

Immer wieder gab und gibt es Gezänke zwischen den am Bau beteiligten und durch ihn betroffenen Ländern. Und wie meistens bei solchen länderübergreifenden Vorhaben: Jeder befürchtet, zu kurz zu kommen und Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Die Hauptspieler dabei sind die USA, Russland und Europa.

Amerika möchte selbst gerne mehr Flüssiggas mit Tankern in die EU liefern und erhöht daher den politischen Druck auf Deutschland, sich gegen „Nord Stream 2“ zu stellen.

Europa ist sich, wie so oft, uneins und bekommt die eigenen Mitglieder nicht unter einen Hut. Osteuropäische Gastransitländer, die um ihren Einfluss und den Wegfall von Durchleitungsgebühren fürchten, stehen den westeuropäischen Interessen wie günstigere Gaspreise für die Industrie und mehr Planungssicherheit bei der Einfuhr gegenüber.

Russland möchte dagegen eine möglichst direkte und damit störungsfreie Lieferung seines Gases nach Europa gewährleisten und eine optimale Verhandlungsposition gegenüber den bisherigen Transitländern wie der Ukraine, Weißrussland oder Polen erlangen.

Direkte Investitionschancen sind kaum auszumachen

Für einen privaten Aktieninvestor ist es bei dieser Gemengelage schwierig, Chancen und Risiken abzuwägen. Fest steht aber: Die Wahrscheinlichkeit für den Abschluss des Projekts ist hoch, schließlich wurden die ersten Rohre schon verlegt und viel Geld wurde in das Vorhaben gesteckt.

Wer sind die Nutznießer einer Fertigstellung der Pipeline?

Auf den ersten Blick kommt das Betreiberunternehmen mit dem Hauptaktionär Gazprom in Betracht sowie deutsche Gaskunden.

Sollten Privatinvestoren also sofort Gazprom-Aktien kaufen?

Mit dieser Empfehlung wäre ich vorsichtig. Mehrere Analystenstudien aus Deutschland, Norwegen und sogar Russland kommen zu einem fragwürdigen Ergebnis, wenn es um die Rentabilität der zweiten „Nord Stream“-Gasleitung geht.

Sie alle gehen von einem kaum steigenden Gasverbrauch in Europa aus und bewerten die Umsetzungskosten des Projektes als verhältnismäßig zu hoch.

Zu beachten ist aber: Wirklich unabhängige Studien kann und wird es nie geben.

Die Gazprom-Aktie befindet sich langfristig charttechnisch im Abwärtstrend und läuft seit Anfang 2015 seitwärts. Dabei ist sie von ihrem Allzeithoch, bei knapp unter 20 Dollar im Jahr 2007, auf rund 4 Dollar gefallen. Anzeichen einer Bodenbildung beim Preisverlauf sind bisher nicht erkennbar, und zudem werden sich die meisten Investoren schon beteiligt haben, welche davon ausgehen, dass Gazprom in Zukunft von dem erfolgreichen Abschluss des Projektes stark profitieren werde.

Fazit: Im Hinblick auf die – noch nicht ganz sichere – Fertigstellung des „Nord Stream 2-Projektes“ ist die Gazprom-Aktie kein Kauf. Sie sollte davon nicht zusätzlichen Auftrieb erhalten.

Hauptprofiteur von „Nord Stream 2“ wird Deutschland sein.

Es liegt demnach nahe, hier auch nach Investitionsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Einzelaktien, die indirekt besonders stark durch einen erfolgreichen Abschluss des Projektes begünstigt werden könnten, sind leider nicht seriös zu identifizieren. Die bessere Alternative für eine Aktienanlage stellt der Kauf eines ETF (Exchange Traded Fund) dar, welcher in den breiten deutschen Aktienmarkt investiert. Hier ist zum Beispiel der Xtrackers DAX UCITS ETF 1C ETF (ISIN LU0274211480/ DBX1DA) zu nennen. Er kann über die Eingabemaske des Wertpapierdepots jeder Hausbank geordert werden.

Zu beachten ist jedoch das gesamte Marktumfeld. Und hier befindet sich der deutsche Aktienmarkt zum jetzigen Zeitpunkt unter Druck und ist langfristig weiterhin als verhältnismäßig teuer anzusehen.

Private Aktieninvestoren, die ihr Geld nicht über viele Jahrzehnte investieren möchten oder können, sollten warten und auf bessere Einkaufspreise spekulieren. Geduld ist eine wichtige Tugend für gute Geldanlage.

Über ETFs von der Kraft des russischen Bären profitieren

Auch wenn Gazprom zum jetzigen Zeitpunkt kein überzeugender Kauf ist, die russische Förderation hat noch einiges mehr zu bieten. Exchange Traded Funds eignen sich hervorragend, um auch hier auf breiter Front – oder selektiert nach Branchen – am Wachstum der russischen Wirtschaft zu partizipieren.

Wer breit gestreut über alle Branchen sein Geld in die größten russischen Unternehmen stecken möchte, für den ist der iShares MSCI Russia ETF ideal geeignet (Tickersymbol: ERUS). Auch dieser ist über das Wertpapierdepot der Hausbank handelbar. Der passiv gemanagte Indexfonds zeichnet sich durch moderate Gebühren aus und ist an der New Yorker Börse in Dollar gelistet. Ein zusätzliches Risiko durch Wechselkursschwankungen muss beachtet werden.

Der Fonds setzt sich aktuell (Stand März 2019) aus 26 Aktientiteln zusammen. Die mit dem am höchsten gewichteten Anteil kommen aus dem Bereich Finanzen (Sberbank ROSSI) und dem Energiesektor (NK Lukoil, Gazprom).

Und wer eine längerfristige, ungehebelte Aktienanlage als zu langweilig empfindet, der hat noch eine weitere Option.

Professionelles Trading russischer Titel am Terminmarkt

Wichtig: Der Handel mit dervativen (abgeleiteten) Finanzprodukten wie Futures, Optionen oder auch CFDs ist durch den implizierten Hebel mit hohen Risiken und Chancen verbunden. Erfolgreiche Trading Strategien folgen den Grundprinzipien von Wettspielen – zum Beispiel Sportwetten, Poker et cetera. Ein Laie sollte an den Terminmärkten (Futures, Optionen) daher niemals traden – es müssen sich vorher unbedingt die wichtigsten Grundlagen für Tradingerfolg angeeignet werden.

Wer russische Wertpapiere kurzfristig aktiv kaufen und verkaufen möchte, der kommt an der Börse Wien nur schwer vorbei. Diese hat sich auf die Berechnung wichtiger Indizes aus dem russischen Raum spezialisiert. Ein großer Teil der Derivate auf russische Titel bezieht sich auf den in Wien berechneten RDX Index. Dieser bezieht seine Datengrundlage wiederum von der London Stock Exchange (Global Depository Receipts). Darin abgebildet werden die 15 größten Aktientitel, die an der Börse Moskau gelistet sind.

Sehr kostengünstig wird der RDX über die Derivatebörse EUREX in Frankfurt getradet. Diese hat standardisierte Futures und Optionskontrakte auf den in Wien gelisteten RDX-Index in Euro und Dollar aufgelegt (Ticker Symbol: FRDE bzw. ORDE). Trader können mit diesen professionellen Handelsinstrumenten auf steigende und fallende Kurse setzen und – im Gegensatz zu klassischen Investoren – auch in schlechten wirtschaftlichen Zeiten Gewinn erzielen.

Quellen:

https://www.eurexchange.com/exchange-de/

https://www.wienerborse.at/

 

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