Getreide bleibt liegen: Krasnodar erklärt den Notstand

Getreide bleibt liegen: Krasnodar erklärt den Notstand

In der südrussischen Region Krasnodar staut sich die Ernte. Angriffe auf Hafen- und Logistikanlagen sowie Einschränkungen der Schifffahrt behindern den Absatz von Getreide. Die Regionalverwaltung hat deshalb den Notstand ausgerufen. Trotz guter Erträge geraten landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich unter Druck.

Gouverneur Weniamin Kondratjew unterzeichnete die entsprechende Anordnung am 23. September. Darin wird die seit dem 12. August bestehende Lage als außergewöhnliche Notlage eingestuft. Nach Angaben von Interfax nennt das Dokument Angriffe auf Logistikanlagen, unterbrochenen Hafenbetrieb und Störungen der Schifffahrt im Asowschen und Schwarzen Meer als Ursachen. Landwirtschaftliche Betriebe könnten deshalb erhebliche Mengen ihrer Produktion nicht verkaufen; auf dem Binnenmarkt habe sich ein Überangebot an Getreide gebildet.

Die Regionalverwaltung warnt vor erheblichen materiellen Verlusten und möglichen Beeinträchtigungen der Lebensbedingungen. Das Landwirtschaftsministerium der Region soll die Entwicklung fortlaufend beobachten, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen bewerten und die betroffenen Produzenten über die Lage und ergriffene Maßnahmen informieren.

Dabei fällt die Ernte vergleichsweise gut aus. Krasnodar erwartet 2026 insgesamt 13,4 Millionen Tonnen Getreide und Hülsenfrüchte, rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Gerade das Zusammentreffen höherer Erträge mit eingeschränkten Absatzwegen verschärft die Lage: Mehr Ware muss gelagert oder auf einem bereits übersättigten Markt verkauft werden.

Wie Expert berichtet, hatte Kondratjew bereits am 16. September bei einem Treffen mit Landwirtschaftsministerin Oksana Lut auf die wirtschaftlichen Folgen hingewiesen. Es gehe darum, Betriebe zu erhalten, die ihr Getreide unter den Selbstkosten verkaufen müssten. Auch im benachbarten Gebiet Rostow gilt wegen vergleichbarer Probleme bereits ein Notstandsmodus.

Die Störungen betreffen zentrale Anlagen des Getreideexports. Bei einem Angriff auf Noworossijsk am 12. August wurde nach Angaben der Vereinigten Getreidegesellschaft die Infrastruktur des dortigen Getreidekombinats beschädigt. Am folgenden Tag meldete die Unternehmensgruppe Delo die Einstellung des operativen Betriebs ihres Getreideterminals KSK. Diese damaligen Meldungen beschreiben allerdings nicht den heutigen Betriebszustand sämtlicher Anlagen.

Russland sucht inzwischen nach Ausweichmöglichkeiten. Nach einem Bericht der Moscow Times sollen Agrarausfuhren verstärkt über Häfen an der Ostsee und in der Arktis abgewickelt werden. Dazu sollen auch Dünger- und Kohleterminals für Getreide genutzt beziehungsweise umgerüstet werden. Die Ware müsste aus den südlichen Anbaugebieten per Bahn dorthin gelangen. Solche Routen erfordern entsprechende Transport- und Umschlagkapazitäten; einen unmittelbaren Ersatz für die gestörten südlichen Exportwege stellen sie nicht automatisch dar.

Die Zeitung verweist außerdem auf eine Warnung der russischen Zentralbank: Länger anhaltende Exportstörungen könnten die künftige Agrarproduktion beeinträchtigen. Dahinter steht ein wirtschaftliches Risiko, das über volle Lager hinausgeht. Bleiben Verkaufserlöse aus oder reichen sie nicht zur Deckung der Kosten, kann den Betrieben Geld für die nächste Aussaat fehlen. Aus der gegenwärtigen Absatzkrise könnte so eine Produktionskrise werden.

Die am 21. September beschlossene Aussetzung der Exportzölle auf mehrere Getreidearten bis zum Jahresende soll die Kosten der Marktteilnehmer senken. Beschädigte Verladeanlagen und eingeschränkte Schiffsverbindungen lassen sich damit jedoch nicht ersetzen. Für die Betriebe in Krasnodar entscheidet sich die Wirkung der Entlastung deshalb auch daran, ob ihre Ernte die Käufer tatsächlich erreichen kann.

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