In Russland ist die Zahl der Showrooms chinesischer Automarken im Jahr 2025 deutlich zurückgegangen. Nach Berechnungen von Gazprombank Autoleasing und AutoBusinessReview, über die unter anderem die russische Wirtschaftszeitung Kommersant berichtet, wurden im Segment Pkw und leichte Nutzfahrzeuge 643 Händlerstandorte chinesischer Marken geschlossen – 1,4-mal so viele wie im Vorjahr. Gleichzeitig eröffneten die Hersteller bzw. ihre Partner nur 459 neue Salons; das sei rund dreimal weniger als 2024.
Unterm Strich sank die Zahl der Verkaufsstellen chinesischer Marken um 7 Prozent auf etwa 2.600. Ihr Anteil am gesamten russischen Händlernetz ging von 67 auf 64 Prozent zurück. Branchenvertreter sprechen davon, dass etwa jeder vierte chinesische Autohändler geschlossen oder auf eine andere Marke umgestellt worden sei.
Als Hauptgrund nennen Marktteilnehmer eine Überdehnung der vergangenen Jahre: Viele Marken hätten zu schnell expandiert, teils ohne ausreichenden Blick auf Nachfrage und Händlerwirtschaftlichkeit. Aus dem Handel heißt es, ein Modell mit 10 bis 20 Verkäufen pro Monat sei im Massenmarkt nicht rentabel; einzelne Standorte hätten insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2025 mit Verlust gearbeitet.
Auffällig ist zugleich eine Verschiebung hin zu „lokalisierten“ russischen Marken bzw. Montagen: Mehr als 100 Händler sollen sich entschieden haben, weniger in „chinesische“ Marken zu investieren und stattdessen mit neuen russischen Marken zu arbeiten, hinter denen häufig lokal montierte chinesische Modelle stehen. Bei den Neueröffnungen lag 2025 der russische Hersteller Solaris vorn (55 neue Standorte), gefolgt von KGM (54) und Li Auto (44). Die meisten Schließungen wurden bei BAIC (56), Bestune (54) und JAC (44) registriert; einzelne Marken wie Kaiyi seien praktisch vom Markt verschwunden.
Experten erwarten, dass sich die Schließungswelle 2026 zwar abschwächt, das Umflaggen von chinesischen zu russischen Marken im Handel jedoch weitergeht.

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