In Serbien verliert die Alta Banka ihre Lizenz, in Argentinien berichten russische und belarussische Kunden von überraschenden Kontoschließungen bei Galicia. Die Fälle haben unterschiedliche Hintergründe – für die Betroffenen geht es um den Zugang zu ihrem Geld und die Abwicklung ihres Alltags.
Russische Auswanderer sehen sich in zwei Ländern mit erheblichen Problemen beim Bankzugang konfrontiert. In Serbien hat die Zentralbank der Alta Banka die Lizenz entzogen, nachdem sich deren finanzielle Lage nach Angaben der Aufsicht deutlich verschlechtert hatte. In Argentinien beklagen Kunden aus Russland und Belarus dagegen, dass die Bank Galicia ihre Konten ohne Vorwarnung geschlossen habe. Eine gemeinsame Ursache oder eine koordinierte Maßnahme gegen russische Staatsbürger ist durch die vorliegenden Berichte nicht belegt.
Serbien: Lizenzentzug trifft eine wichtige Bank für russische Kunden
Wie The Bell unter Berufung auf die serbische Zentralbank und örtliche Medien berichtet, gab die Aufsicht den Lizenzentzug in der Nacht zum 31. Oktober bekannt. Die Finanzlage der Alta Banka habe eine Gefahr für die Einleger geschaffen. Vorausgegangen seien Prüfungen und Aufforderungen, die Liquidität zu erhöhen. Nach dem Bericht stellte die Bank Kartenzahlungen, Überweisungen und den Filialbetrieb ein.
Für nach Serbien gezogene Russen ist der Fall besonders relevant: Alta gehörte zu den wenigen Banken, bei denen russische Nichtresidenten Konten eröffnen konnten. Laut Mitarbeitern, auf die sich das serbische Wirtschaftsmedium Nova Ekonomija beruft, stellten russische Staatsbürger die Mehrheit der Privatkunden. Auch russische Unternehmen hätten größere Beträge bei dem Institut gehalten.
Für die Bank steht dem Bericht zufolge ein Insolvenzverfahren an. The Bell nennt eine Einlagensicherungsgrenze von 50.000 Euro je Person; darüber hinausgehende Forderungen müssten im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden.
Alta gehört zur Gruppe des Unternehmers Davor Macura, den serbische Medien dem Umfeld von Aleksandar Vučićs Partei zurechnen. The Bell stellt den Zusammenbruch in den zeitlichen Zusammenhang mit deren Wahlniederlage. Einen ursächlichen Zusammenhang belegt diese zeitliche Nähe jedoch nicht.
Argentinien: Kunden berichten von Kontoschließungen ohne Erklärung
Anders liegt der Fall bei der argentinischen Bank Galicia. Laut einem Bericht von Expert häufen sich in sozialen Netzwerken Beschwerden russischer und belarussischer Kunden, deren Konten plötzlich aus der Banking-App verschwunden seien. Mitarbeiter hätten auf Nachfrage interne geschäftliche Entscheidungen als Grund genannt, ohne diese näher zu erläutern.
Nach den zitierten Kundenberichten betreffen die Einschränkungen auch Menschen mit argentinischer Staatsbürgerschaft, regulär Beschäftigte und registrierte Unternehmer. Zudem gebe es Beschwerden über die Schließung von Firmenkonten. Eine Kundin schilderte, sie habe keine vorherige Benachrichtigung erhalten und im Bankbüro erfahren, dass sie kein neues Konto eröffnen könne.
Mehr als 250 Menschen sollen sich nach Angaben von Betroffenen in einer Telegram-Gruppe zusammengeschlossen haben. Dort werde eine mögliche Sammelklage diskutiert, um die Gründe für die Kontoschließungen zu klären. Dass eine solche Klage bereits eingereicht wurde, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Die Darstellung stützt sich wesentlich auf Kundenbeschwerden. Eine ausführliche Stellungnahme von Galicia, die Auswahlkriterien und Umfang der Maßnahmen erklärt, enthält der Bericht nicht. Auch ein Zusammenhang mit Sanktionen wird darin für diesen konkreten Fall nicht belegt.
Unterschiedliche Ursachen, ähnliche Folgen
In Serbien betrifft der behördliche Eingriff die Bank insgesamt. Russische Kunden sind wegen der Bedeutung des Instituts für ihre Gemeinschaft besonders berührt. In Argentinien geht es dagegen um die geschilderte Beendigung einzelner Kundenbeziehungen bei einer weiterhin tätigen Bank.
Für Auswanderer kann beides erhebliche praktische Folgen haben: Wenn ein Konto plötzlich nicht mehr nutzbar ist, geraten Gehaltseingänge, Mietzahlungen oder geschäftliche Überweisungen in Schwierigkeiten. Der Verlust des Kontozugangs ist dabei nicht automatisch mit dem endgültigen Verlust des Guthabens gleichzusetzen.
Die beiden Fälle zeigen, wie verletzlich der finanzielle Alltag im Ausland werden kann, wenn er von wenigen verfügbaren Bankverbindungen abhängt. Für eine gemeinsame Erklärung als neue Sanktionswelle reichen die vorliegenden Informationen jedoch nicht aus.

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