Russlands Traktoren bleiben stehen – Getreidekrise trifft Landmaschinenhersteller

Russlands Traktoren bleiben stehen – Getreidekrise trifft Landmaschinenhersteller

Die kurze Erholung auf dem russischen Landmaschinenmarkt ist offenbar vorbei. Nach einem zunächst positiven ersten Halbjahr 2026 sind die Verkäufe von Traktoren, Mähdreschern und anderen Agrarmaschinen deutlich eingebrochen. Verantwortlich dafür sind vor allem sinkende Getreidepreise, eingeschränkte Exportmöglichkeiten und die anhaltend hohen Finanzierungskosten für landwirtschaftliche Betriebe.

Nach Angaben des Branchenverbandes Rosspetsmasch stieg der Absatz russischer Landmaschinen auf dem heimischen Markt in den ersten neun Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahr noch um drei Prozent auf 120,7 Milliarden Rubel. Im ersten Halbjahr hatte das Wachstum allerdings noch 11,2 Prozent betragen.

Besonders deutlich zeigt sich der Einbruch bei einzelnen Maschinenarten. Im September wurden 30 Prozent weniger Traktoren ausgeliefert als im Vorjahresmonat. Bei Mähdreschern betrug der Rückgang sogar 65,3 Prozent, wobei die Zahlen eines Herstellers nicht berücksichtigt wurden. Branchenvertreter berichten, dass die Auslieferungen im Oktober weiter zurückgingen und in einzelnen Segmenten praktisch zum Stillstand gekommen seien.

Ein wesentlicher Grund liegt auf den Getreidemärkten. Nach Berechnungen des Analyseunternehmens SowEkon kostete Weizen der vierten Qualitätsklasse Mitte Oktober nur noch rund 7.970 Rubel je Tonne. Das waren etwa 40 Prozent weniger als im Juli 2026. Besonders schwierig ist die Situation in Südrussland, wo die weitgehend unterbrochene Arbeit der Schwarzmeerhäfen die Exportmöglichkeiten einschränkt und damit zusätzlich auf die Inlandspreise drückt.

Viele Agrarbetriebe verschieben deshalb die Modernisierung ihrer Maschinenparks. Nach Einschätzung von Branchenvertretern liegen die Getreidepreise teilweise bereits unter den Produktionskosten. Zugleich erschwert die restriktive Geldpolitik die Finanzierung neuer Maschinen.

Für das Gesamtjahr rechnen Marktexperten inzwischen mit einem Absatzrückgang zwischen fünf und 15 Prozent. Auch die Landmaschinenhändler geraten unter Druck: Zum Jahresende werden zahlreiche Kredite fällig, während die Einnahmen aus dem Verkauf neuer Technik zurückgehen.

Eine Entlastung könnte nach Ansicht der Branche durch eine Ausweitung staatlich geförderter Leasingprogramme und höhere Erzeugerpreise entstehen. Ohne eine Verbesserung der Exportbedingungen und der Getreidepreise dürfte der russische Landmaschinenmarkt jedoch auch schwach ins Jahr 2027 starten.

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