Russische Anleger hoffen auf weitere Sanktionserleichterungen. Washington betont dagegen den begrenzten Umfang der Vereinbarung. Moskau verspricht unterdessen, dass die eigenen Verbraucher für das Exportgeschäft nicht mehr bezahlen müssen.
Die Aussicht auf neue Dieselgeschäfte mit den USA hat dem russischen Aktienmarkt Auftrieb gegeben. Der Index der Moskauer Börse erreichte am 18. Oktober mit 2.449,8 Punkten ein Dreimonatshoch. Seit der Ankündigung einer möglichen Vereinbarung durch US-Präsident Donald Trump am 9. Oktober legte er nach Angaben der Zeitung Kommersant um rund sechs Prozent zu. Doch während Anleger bereits auf weitere wirtschaftliche Annäherung setzen, zieht die amerikanische Regierung eine enge Grenze: Die Erleichterungen beträfen ausschließlich Diesel.
US-Energieminister Chris Wright erklärte am Sonntag gegenüber CNN, Washington habe keine Sanktionen gegen russisches Öl gelockert. Zusätzliche russische Diesellieferungen auf den Weltmarkt könnten amerikanischen Verbrauchern zugutekommen. Die Vereinbarung sei keine Aufweichung der Haltung gegenüber Moskau, sondern ein Anreiz zur Beendigung des Krieges, sagte Wright.
Damit unterscheiden sich die politische Darstellung in Washington und die Erwartungen am russischen Aktienmarkt deutlich. Die US-Regierung begründet die Ausnahme mit Versorgung und Preisen. Russische Anleger verbinden damit die Hoffnung, dass weitere Vereinbarungen und eine umfassendere Lockerung der Sanktionen folgen könnten.
Zusätzlichen Auftrieb erhielt die Börse durch Trumps Ankündigung vom 16. Oktober, die als „höllische Sanktionen“ bezeichneten neuen Strafmaßnahmen auszusetzen. Nach dem Kommersant-Bericht sollten diese am 18. Oktober in Kraft treten und drastische Zölle vorsehen. Das Aufschieben neuer Maßnahmen ist allerdings von der Aufhebung bereits bestehender Sanktionen zu unterscheiden. Wrights Aussage über die weiterhin geltenden Ölsanktionen steht deshalb nicht zwangsläufig im Widerspruch dazu.
Wie viel politische Hoffnung inzwischen in den Kursen steckt, zeigt die Breite des Anstiegs. Aktien großer Öl- und Gasunternehmen gewannen innerhalb einer Woche rund zehn Prozent. Gazprom und NOVATEK gehörten nach den jüngsten Ankündigungen zu den Gewinnern. Das Handelsvolumen überschritt in der vergangenen Woche 560 Milliarden Rubel.
Auf russischer Seite bemüht sich Vizepremier Alexander Nowak zugleich, Sorgen um die Versorgung im Inland zu zerstreuen. Exportiert würden ausschließlich Überschüsse. Russland verbrauche monatlich etwa 3,5 bis vier Millionen Tonnen Diesel; die Produktionskapazitäten seien ungefähr doppelt so hoch. Nach der Rückkehr von Raffinerien aus Reparaturen entstehe wieder Spielraum für Ausfuhren. Ohne Exportmöglichkeiten drohten wegen begrenzter Lagerkapazitäten sogar Kürzungen der Verarbeitung.
Nowak versichert, dass die Lieferungen in die USA die russischen Tankstellenpreise nicht erhöhen würden. Diese Aussage bleibt zunächst ein politisches Versprechen: Die genannten Kapazitäten allein belegen noch nicht, welche Mengen tatsächlich produziert werden und überall im Land verfügbar sind.
Auch bei der Umsetzung des Geschäfts sind mehrere Schritte auseinanderzuhalten. Ein erster Tanker mit russischem Diesel wurde nach Nowaks Angaben bereits auf den Weltmarkt verschifft. Über die kommerziellen Bedingungen mit amerikanischen Abnehmern werde jedoch noch verhandelt. Die von ihm genannte Lieferzeit von 15 bis 20 Tagen für die USA beginnt erst mit dem Vertragsabschluss.
Uneinheitlich bleiben zudem die Angaben zum anfänglichen Umfang. Während frühere Meldungen 500.000 Tonnen für den Weltmarkt nannten, führt der jüngste Börsenbericht unter Berufung auf Trump 300.000 Tonnen an. Ob es sich um unterschiedliche Lieferabschnitte oder eine veränderte Planung handelt, geht aus den Berichten nicht hervor.
Für die Börse ist damit noch nicht entschieden, ob aus der Dieselausnahme eine dauerhafte wirtschaftliche Öffnung wird. Trotz der jüngsten Gewinne liegt der Moskauer Index laut Kommersant weiterhin elf Prozent unter dem Jahresbeginn. Frühere Hoffnungen auf einen Durchbruch zwischen Moskau und Washington haben sich nicht erfüllt.
Diesmal müssen tatsächliche Lieferungen, belastbare Mengen und die Fortdauer der Genehmigungen die Erwartungen bestätigen. Bis dahin handelt der Markt bereits die mögliche nächste Annäherung – während Washington betont, zunächst nur Diesel zu meinen.
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