Russlands Kohleindustrie: Weniger Verluste, aber noch keine Wende

Russlands Kohleindustrie: Weniger Verluste, aber noch keine Wende

Das russische Energieministerium sieht die schwierigste Phase der Kohlekrise überwunden. Sinkende Verluste und günstigere Preisaussichten stützen diese Einschätzung. Doch fast zwei Drittel der Unternehmen bleiben defizitär. Transportengpässe und eine mögliche Abschwächung der Preise im kommenden Jahr machen die Erholung unsicher.

Die russische Kohleindustrie habe ihre schwierigste Phase hinter sich, erklärte der stellvertretende Energieminister Dmitri Islamow am 14. Oktober. Die Preise hätten begonnen, sich zu erholen. Gleichzeitig schränkte er ein, für eine nachhaltige Trendwende sei es noch zu früh: Der Markt bleibe schwankungsanfällig, die Lage der Branche weiterhin schwierig.

Die verfügbaren Zahlen geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Sie zeigen allerdings vor allem, dass die Branche weniger verliert als im besonders schlechten Vorjahr.

Die Verluste sinken, die meisten Unternehmen bleiben im Minus

Nach den von Interfax veröffentlichten Rosstat-Daten betrug der saldierte Verlust der Kohleunternehmen von Januar bis Juli 2026 insgesamt 178,2 Milliarden Rubel. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es 225 Milliarden gewesen. Damit verringerte sich das Minus um knapp 21 Prozent.

Hinter dem Branchensaldo stehen weiterhin erhebliche Unterschiede. Die profitablen Unternehmen erzielten zusammen 45 Milliarden Rubel Gewinn, während die defizitären Betriebe Verluste von 223,2 Milliarden Rubel auswiesen. Der Anteil der Unternehmen mit roten Zahlen sank lediglich von 65,4 auf 64,5 Prozent. Zudem gingen die Gewinne der profitablen Unternehmen um 7,7 Prozent zurück.

Eine breite Rückkehr zur Rentabilität lässt sich daraus nicht ableiten. Auch die Jahresprognose des Ministeriums bleibt deutlich negativ: Islamow erwartet für 2026 einen Branchenverlust von 300 bis 310 Milliarden Rubel, nach 408 Milliarden im Vorjahr.

Höhere Preise verschaffen Luft

Unterstützung kommt vom Kohlemarkt. NEFT Research hat seine Prognosen für die Exportpreise russischer Energiekohle angehoben. Für Lieferungen nach Osten erwartet das Analysehaus im vierten Quartal bei Kohle mit einem Heizwert von 5.500 Kilokalorien je Kilogramm nun 98 Dollar pro Tonne. Im Juni waren noch 84 Dollar angesetzt worden.

Für höherkalorische Kohle im Nordwesten wurde die Prognose von 75 auf 89 Dollar erhöht, für die südliche Exportroute von 84 auf ebenfalls 89 Dollar. Die Analysten begründen die günstigeren Aussichten mit der winterlichen Nachfrage, gestiegenen Weltmarktpreisen und Risiken für das internationale Angebot.

Diese Anpassungen sind jedoch keine bereits erzielten Preissteigerungen in entsprechender Höhe. Sie zeigen zunächst, dass die erwarteten Verkaufspreise günstiger ausfallen als noch vor einigen Monaten angenommen. Ob daraus höhere Gewinne entstehen, hängt auch von Absatzmengen, Transportkosten und Preisabschlägen ab.

Die Engpässe stützen den Preis – und behindern den Verkauf

Gerade die Logistik macht die Lage widersprüchlich. Laut dem von Kommersant ausgewerteten Bericht von NEFT Research haben Einschränkungen der Ausfuhren über das Schwarze Meer zur Verknappung des Angebots beigetragen. Russische Exporteure müssen Mengen in den Nordwesten und nach Osten umlenken. Dadurch steigen die Belastung der Ostseehäfen und der Druck auf die ohnehin begrenzten östlichen Transportkapazitäten.

Knappheit kann die Notierungen stützen. Ein Bergbauunternehmen profitiert davon allerdings nur, wenn es seine Kohle tatsächlich zum Kunden bringen kann. Längere Transportwege, zusätzliche Kosten oder fehlende Kapazitäten können den Preisvorteil verringern.

Auch die Abschläge gegenüber konkurrierender Kohle bleiben ein Unsicherheitsfaktor. NEFT Research erwartet, dass russische Anbieter zur Sicherung ihres Absatzes wieder stärker mit Rabatten arbeiten müssen. Verschärft sich der Wettbewerb mit Lieferanten aus Indonesien und Australien, könnte der Druck weiter wachsen.

Die Winterstütze ist keine dauerhafte Garantie

Bis zum Jahresende rechnen die im Kommersant-Bericht zitierten Analysten überwiegend mit einer Unterstützung durch die Heizsaison. Für 2027 wird das Bild vorsichtiger.

Das Zentrum für Preisindizes erwartet gegen Ende des ersten Quartals wieder Preisdruck. Dann könnte die saisonale Nachfrage nachlassen, während Maßnahmen zur Steigerung der chinesischen Förderung stärker wirken. Andere Analysten verweisen auf mögliche Gegenkräfte: Einschränkungen der indonesischen Produktion, neue Lieferausfälle oder anhaltend hohe Gaspreise könnten Kohle weiter verteuern.

Damit hängt ein erheblicher Teil der Erholung von Entwicklungen außerhalb Russlands ab. Die höhere Preisprognose für 2027 bedeutet zudem nicht, dass die Notierungen im Jahresverlauf weiter steigen sollen. Auch ein erwarteter Rückgang kann gegenüber einer früheren, noch ungünstigeren Prognose eine Verbesserung darstellen.

Staatliche Hilfe bleibt Teil der Bilanz

Die Branche hat die Krise bislang auch mithilfe staatlicher Unterstützung durchgestanden. Dazu gehören Zahlungsaufschübe, logistische Hilfen und Tarifvergünstigungen. Nach Angaben des Energieministeriums wird weitere Unterstützung für einzelne Unternehmen geprüft. Zugleich rechnet das Ministerium damit, dass wirtschaftlich nicht überlebensfähige Betriebe übernommen oder geschlossen werden.

Islamow verweist außerdem auf die über Jahre angesammelte Schuldenlast. Höhere Verkaufspreise können die laufende Geschäftslage verbessern; die finanziellen Altlasten verschwinden dadurch nicht automatisch.

Die Entwarnung des Ministeriums hat damit eine nachvollziehbare Grundlage: Die Verluste sinken, und die Marktbedingungen sind günstiger geworden. Ob die schwierigste Phase dauerhaft überwunden ist, lässt sich daraus noch nicht sicher ableiten. Für eine belastbare Wende müssten höhere Erlöse auch nach Transportkosten, Preisabschlägen und Finanzierungslasten bei deutlich mehr Unternehmen als Gewinn ankommen.

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