Der Nornickel-Präsident fordert verlässliche Steuerregeln und warnt vor verzögerten Investitionen. Zugleich meldet sein Konzern kräftig gestiegene Gewinne und nimmt die Ausschüttungen an Aktionäre wieder auf. Im Mittelpunkt steht die Verteilung der Unternehmenserträge.
Wladimir Potanin fordert mehr Planungssicherheit für Russlands Industrie. Im Interview mit RBC kritisiert der Präsident des Bergbau- und Metallkonzerns Nornickel die wiederholte Veränderung steuerlicher Belastungen. Höhere Beiträge der Unternehmen zum Staatshaushalt akzeptiert er grundsätzlich. Entscheidend sei jedoch, dass sie sich am tatsächlich erwirtschafteten Gewinn orientierten und Investitionen kalkulierbar blieben.
Anlass ist ein nach Darstellung des Regionalportals Dela im September vorgelegter Vorschlag des Finanzministeriums: Zusatzerlöse aus steigenden Weltmarktpreisen für feste mineralische Rohstoffe sollen mit 30 Prozent belastet werden. Potanin wendet ein, dass höhere Preise einzelner Produkte nicht automatisch höhere Unternehmensgewinne bedeuteten. Steigende Kosten könnten den Vorteil aufzehren; bei einem Konzern mit mehreren Metallen müsse die gesamte Produktpalette betrachtet werden.
Potanin verbindet diesen Einwand mit einer Warnung vor Investitionsschwäche. Staatliche Einsparungen und zusätzliche Abschöpfungen bei Unternehmen verringerten die verfügbaren Mittel. Industrielle Projekte benötigten dagegen über Jahre verlässliche Bedingungen. Nach seiner Darstellung könnten die diskutierten Belastungen Nornickel dazu zwingen, einzelne Vorhaben zeitlich zu verschieben. Dela gibt seine Argumentation ausführlich wieder; sie beschreibt die Position des Unternehmers im Streit über die Steuerpolitik.
Parallel kehrt Nornickel zu Dividenden zurück. Die Aktionäre haben für das erste Halbjahr 2026 eine Ausschüttung von 1,85 Rubel je Aktie beschlossen, die erste seit 2023. Gemessen am Schlusskurs des 9. Oktober entspricht das einer Dividendenrendite von rund 1,6 Prozent.
Die Geschäftszahlen zeigen eine deutliche Verbesserung: Laut RBC stieg der Halbjahresumsatz um 28 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, EBITDA, legte um 50 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zu. Der Nettogewinn erhöhte sich um 138 Prozent auf zwei Milliarden Dollar. Als Umsatztreiber nennt der Bericht die positive Preisentwicklung bei Bunt- und Edelmetallen.
Auch an der Börse fand die Ausschüttung rasch Unterstützung. Der Kursrückgang nach Wegfall des Dividendenanspruchs war am 12. Oktober bereits wieder aufgeholt. Diese sogenannte Schließung der Dividendenlücke ist allerdings eine Marktbewegung und keine zusätzliche Finanzierungsmaßnahme des Konzerns.
Die Ausschüttung wirft damit eine Verteilungsfrage auf: Welcher Teil des erwirtschafteten Geldes soll im Unternehmen bleiben, welcher den Eigentümern zufließen und welcher dem Staat? Dividenden und Investitionen konkurrieren grundsätzlich um verfügbare Mittel. Eine Ausschüttung widerlegt jedoch für sich genommen keine Warnung vor künftigen Finanzierungslücken. Dazu müssten auch Investitionsbedarf, freier Cashflow und anstehende Verpflichtungen berücksichtigt werden.
Potanins Einwände sind deshalb sowohl als wirtschaftspolitisches Argument als auch als Interessenvertretung zu lesen. Verlässliche Steuerregeln erleichtern langfristige Investitionsentscheidungen. Wie viel zusätzliche Belastung Nornickel tatsächlich tragen kann, lässt sich weder aus der Warnung seines Präsidenten noch aus der Rückkehr zur Dividende allein ableiten.

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