Russlands Heizsaison: Der Sanierungsstau wird spürbar

Russlands Heizsaison: Der Sanierungsstau wird spürbar

In mehreren russischen Städten bleiben Wohnungen und Schulen trotz des offiziellen Heizungsstarts kalt. Regierungs- und Duma-Vertreter verweisen auf erheblichen Erneuerungsbedarf bei den Versorgungsnetzen. Die laufende Modernisierung kann den über Jahrzehnte entstandenen Rückstand bislang nicht aufholen.

Die Heizsaison hat begonnen, doch die Wärme erreicht längst nicht alle Wohnungen. Aus dem Ural, Sibirien und anderen Regionen Russlands melden Bewohner kalte Heizkörper und Störungen der Warmwasserversorgung. Nach einem Bericht der Iswestija bestehen die Probleme mancherorts noch mehr als zwei Wochen nach dem offiziellen Saisonstart. Nächtliche Minusgrade verschärfen die Lage. Neben Schwierigkeiten beim Hochfahren der Anlagen werden dabei Schäden an den Versorgungsnetzen und Probleme innerhalb einzelner Gebäude sichtbar.

Besonders einschneidend sind die Folgen in Osjorsk im Gebiet Tscheljabinsk. Dort wurde ein Teil der Schulen wegen Schwierigkeiten mit Heizung und Stromversorgung auf Fernunterricht umgestellt. Vorschulkinder, deren Eltern keine Betreuung zu Hause organisieren können, werden vorübergehend in anderen Kindergärten aufgenommen. Das bestätigte die Leiterin der städtischen Bildungsverwaltung, Jelena Wolegowa, gegenüber Iswestija.

Der Beschluss zum Beginn der Heizperiode wurde in Osjorsk am 28. September unterzeichnet. Eine Woche später waren noch nicht alle Häuser versorgt. Bewohner berichteten zudem über Unterbrechungen bei Wasser und Strom. Der Untersuchungsausschuss leitete ein Strafverfahren ein; nach Angaben einer Quelle der Zeitung geht es um den Verdacht auf pflichtwidrige Nachlässigkeit. Die konkrete technische Ursache und die Verantwortlichkeiten sind damit noch nicht abschließend geklärt.

An der Wärmeversorgung der Stadt sind mehrere Organisationen beteiligt. Der Betreiber des Heizkraftwerks Argajasch, eine Niederlassung von Rosatom Infrastruktur-Lösungen, erklärte gegenüber Iswestija, seine Anlagen arbeiteten ordnungsgemäß. Die Temperatur des gelieferten Wärmeträgers entspreche den Vorgaben, die geplanten Wartungsarbeiten seien abgeschlossen. Gemeinsam mit der Stadt und weiteren beteiligten Betrieben werde an der Wiederherstellung der Versorgung gearbeitet. Der Fall zeigt, dass ein betriebsbereites Kraftwerk allein noch keine durchgängige Wärmeversorgung bis in die Wohnungen gewährleistet.

Auch in Gornosawodsk in der Region Perm gingen Beschwerden über fehlende Heizung ein. Das zuständige Regionalministerium erklärte, die Heizwerke seien in Betrieb; die Hausanlagen würden schrittweise befüllt und eingestellt. Teilweise müsse Luft aus Leitungen und Heizkörpern entfernt werden. Bewohner schilderten dagegen anhaltende Kälte und Einschränkungen bei der Kinderbetreuung. Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden befassen sich mit der Situation.

Aus Nischni Nowgorod und Omsk meldet Iswestija ebenfalls Beschwerden, obwohl dort die Heizperiode bereits am 21. September begonnen hatte. Ein weiteres Beispiel liefert Kaluga: Nach Angaben der Lokalzeitung Kaluschski Perekrestok beklagten Bewohner am 5. Oktober in zahlreichen Straßen kalte Heizkörper. Im Gymnasium Nr. 19 kamen zusätzliche Heizgeräte zum Einsatz. Das regionale Bildungsministerium verwies auf laufende Inbetriebnahmearbeiten an der Versorgung aus dem Heizwerk des Kalugaer Turbinenwerks.

Hinter den örtlichen Schwierigkeiten steht ein erheblicher Sanierungsbedarf. Iswestija verweist auf eine Aussage von Bauminister Irek Faisullin vom März 2026: Mehr als 40 Prozent der kommunalen Netze müssten ersetzt werden, in einigen Regionen erreiche dieser Anteil bis zu 80 Prozent. Diese Angaben beziehen sich auf die kommunale Versorgungsinfrastruktur insgesamt, nicht ausschließlich auf Heizleitungen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Bauwesen und Wohnungswirtschaft, Alexander Aksenenko, beziffert die jährliche Erneuerungsrate auf etwa ein Prozent der Netze. Bis 2030 soll sie auf 2,5 Prozent steigen. Der aufgelaufene Verschleiß lasse sich bei diesem Tempo nicht schnell beseitigen, sagte er der Zeitung.

Dabei wird bereits in erheblichem Umfang gebaut und saniert. Nach Aksenenkos Angaben wurden 2025 fast 8.000 Kilometer Leitungsnetze erneuert sowie mehr als 1.500 Anlagen gebaut oder saniert. Faisullin zufolge geht die Zahl großer Ausfälle durch die staatlichen Maßnahmen jährlich zurück, bleibt aber hoch. Eine vergleichbare Zahlenreihe enthält der Bericht nicht. Ob der aktuelle Heizungsstart insgesamt schlechter verläuft als im Vorjahr, lässt sich daraus nicht bestimmen.

Hinzu kommen Probleme, die nicht im übergeordneten Netz liegen. Die von Iswestija befragte Expertin Ljudmila Schgun nennt geschlossene Ventile, Ablagerungen in Steigleitungen und Heizkörpern, eingeschlossene Luft sowie Druckprobleme innerhalb der Häuser. Solche Störungen können erklären, warum benachbarte Gebäude oder sogar Wohnungen desselben Hauses unterschiedlich versorgt werden.

Aksenenko fordert deshalb, die Wintervorbereitung stärker an ihrem tatsächlichen Ergebnis zu messen. Bereitschaftsnachweise, Anschlussquoten und ausgegebene Mittel reichten nicht aus. Entscheidend seien warme Wohnungen, weniger Störungen und eine schnellere Behebung von Schäden. Für die Bewohner wird der Stand der Modernisierung in diesen Wochen unmittelbar erfahrbar: daran, ob die angekündigte Wärme auch ankommt.

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