Russlands Benzinversorgung: Nowak beruhigt – und bestätigt den Mangel

Russlands Benzinversorgung: Nowak beruhigt – und bestätigt den Mangel

Russlands Regierung sieht keine Hamsterkäufe mehr an den Tankstellen. Eine Entwarnung für die Kraftstoffversorgung ist damit allerdings nicht verbunden. Vizepremier Alexander Nowak bestätigte am 2. Oktober einen weiterhin bestehenden Benzinmangel und berichtete zugleich von Angriffen auf vier Raffinerien in einer einzigen Nacht. Seine Aussagen im Föderationsrat und vor Journalisten zeigen, wie stark die Versorgung inzwischen von Schutzmaßnahmen, Reparaturen und staatlichen Eingriffen abhängt.

Nach Nowaks Darstellung fehlt es auf dem russischen Markt gegenwärtig an Benzin, wenn auch nur in geringem Umfang. Bei Diesel gebe es dagegen keinen Mangel; auch Flugtreibstoff werde produziert. Regierung und Unternehmen organisierten zusätzliche Einfuhren von Mineralölprodukten aus dem Ausland. Damit sollen Lücken in der heimischen Versorgung geschlossen werden.

Die Nachfrage habe sich gegenüber den Sommermonaten beruhigt. „Wir beobachten keine Hamsterkäufe, weil die Menschen verstehen, dass sie tanken können“, erklärte Nowak laut Expert. Im Sommer hätten Verbraucher zusätzliche Mengen gekauft und damit den Engpass verschärft. Einen Teil des gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Bedarfs führte er auf solche Vorratskäufe zurück.

Gleichzeitig bezeichnete der Vizepremier die Lage bei Benzin weiterhin als angespannt. Sie erfordere laufende operative Steuerung. Regionen, in denen gestörte Transportwege zu Engpässen führten, würden bei der Belieferung von Tankstellen und Treibstofflagern unterstützt. Bereits am 29. September hatte die Regierung mitgeteilt, dass das Energieministerium mehrere Risikoszenarien samt Gegenmaßnahmen ausgearbeitet habe. Nowak verlangte zudem eine genauere Prüfung der Versorgung in den Gebieten Omsk und Tomsk sowie eine verstärkte Preiskontrolle.

Auch für die Raffinerien gab Nowak keine grundsätzliche Entwarnung. Allein in der Nacht zum 2. Oktober seien vier Anlagen Ziel ukrainischer Angriffe gewesen. Diese habe man weitgehend abgewehrt, die technische Ausrüstung sei unbeschädigt geblieben. Allerdings werde bei einem Werk noch geprüft, welcher Schaden entstanden sei. Seine Angaben lassen deshalb noch keine abschließende Schadensbilanz für diese Nacht zu.

Nach Darstellung des Vizepremiers haben Unternehmen, Energieministerium und Verteidigungsministerium den Schutz der Anlagen ausgebaut. Passive Schutzvorkehrungen und eine verstärkte aktive Abwehr hätten die Schäden verringert. Außerdem gelinge es den Unternehmen inzwischen schneller, betroffene Raffinerien wieder in Betrieb zu nehmen. Die dafür erforderlichen Ausgaben seien erheblich.

Besonders aufschlussreich ist die angekündigte Prüfung weiterer Hilfen für die Branche. Dazu gehört die Möglichkeit, vereinbarte Modernisierungsfristen zu verschieben. Als derzeit dringlichste Aufgabe bezeichnete Nowak die Wiederherstellung beschädigter Werke und Ausrüstungen. Das deutet auf eine Verschiebung der Prioritäten hin: Die Sicherung vorhandener Produktion beansprucht Mittel und Aufmerksamkeit, die auch für die technische Erneuerung gebraucht werden.

Die Exportbeschränkungen stellte Nowak als vorübergehende Maßnahme dar. Normalerweise liege die russische Benzinproduktion rund zehn Prozent über dem eigenen Bedarf. Nach einer Stabilisierung könne Russland wieder stärker auf die heimische Produktion zurückgreifen und zum Export zurückkehren. Bei Diesel werde eine teilweise Öffnung der Ausfuhr geprüft, sobald im Inland ein Überschuss bestehe.

Damit beschreibt die Regierung einen Markt, dessen Versorgung weiterhin aktiv abgesichert werden muss. Ausbleibende Hamsterkäufe können den Druck mindern. Sie ersetzen jedoch weder ausgefallene Raffineriekapazitäten noch zuverlässige Lieferwege. Nowaks Beruhigung betrifft vor allem das Verhalten der Verbraucher. Seine Aussagen über Produktion, Reparaturen und Importe zeigen, dass die Ursachen der angespannten Versorgung fortbestehen.

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