Schröder bei Globus: Ein guter Draht als Absicherung?

Gerhard Schröder übernimmt eine neue Aufgabe in Russland. Der frühere Bundeskanzler ist in den Aufsichtsrat von Hyperglobus eingezogen, der Betreibergesellschaft der russischen Globus-Hypermärkte. Offiziell soll er die strategische Entwicklung des Unternehmens begleiten. Der Zeitpunkt wirft jedoch eine weitergehende Frage auf: Kann sein guter Draht zum Kreml helfen, das Unternehmen vor staatlichen Eingriffen zu schützen?

Nach Angaben von Hyperglobus wurde Schröder bereits am 30. September in das Gremium aufgenommen. Bekannt wurde die Berufung am 2. Oktober. Er soll an der allgemeinen Unternehmensführung mitwirken und die langfristige Entwicklung auf dem russischen Markt unterstützen. Eigentümer Thomas Bruch verwies auf Schröders langjährige Erfahrung im politischen und wirtschaftlichen Leben Russlands. Diese solle dem Unternehmen helfen, den Dialog aufrechtzuerhalten und unter den gegenwärtigen Bedingungen konstruktive Lösungen zu finden.

Schröder selbst bleibt seiner Linie treu. In einer von der Unternehmenspressestelle verbreiteten Erklärung betonte er die Bedeutung wirtschaftlicher Beziehungen und weiterer Investitionen in Russland. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln hob er als grundlegendes Feld der Zusammenarbeit hervor. Gerade in Krisenzeiten seien solche Verbindungen wichtig, um miteinander im Gespräch zu bleiben und Perspektiven zu entwickeln.

Die Berufung fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit für ausländische Unternehmen. Erst am 28. September waren die russischen Vermögenswerte des deutschen Großhändlers Metro unter vorübergehende Verwaltung gestellt worden. Zuvor hatten entsprechende Maßnahmen bereits andere westliche Unternehmen getroffen, darunter Auchan und Nestlé. Zwei Tage nach dem Eingriff bei Metro erhielt Schröder seinen neuen Posten.

Ob zwischen diesen Vorgängen und der Personalentscheidung ein Zusammenhang besteht, ließ Hyperglobus offen. Gegenüber der Tagesschau äußerte sich das Unternehmen dazu nicht. Kommersant interpretiert die Berufung als mögliche Absicherung gegen eine Übertragung der Verwaltung an Dritte. Denkbar sei auch die Hoffnung auf einen milderen Eingriff: Bei Metro ging die vorübergehende Verwaltung an eine Gesellschaft des örtlichen Managements. Eine solche Schutzfunktion ist allerdings keine vom Unternehmen bestätigte Zielsetzung.

Schröders besondere Verbindung zu Wladimir Putin verleiht dieser Deutung Gewicht. Der frühere Kanzler hielt auch nach dem russischen Angriff auf die Ukraine an seinen Kontakten fest. Seine Tätigkeiten für Nord Stream und den russischen Ölkonzern Rosneft sowie seine persönliche Nähe zum russischen Präsidenten haben ihm in Deutschland anhaltende Kritik eingebracht. Für ein Unternehmen, das sein Geschäft in Russland fortsetzen will, könnten dieselben Verbindungen einen praktischen Wert besitzen: Zugang zu Gesprächspartnern, die in Konfliktfällen entscheidenden Einfluss haben.

Es geht um ein profitables Geschäft mit weiteren Ausbauplänen. Nach Angaben von Kommersant erzielte Hyperglobus 2025 einen Umsatz von 165,6 Milliarden Rubel und einen Nettogewinn von 7,4 Milliarden Rubel. Im August 2026 betrieb die Kette 22 Hypermärkte in Russland. Ende September kündigte sie mehr als vier Milliarden Rubel für einen neuen Markt im Moskauer Umland an. Schröders Berufung begleitet somit weitere Investitionen.

Dabei muss zwischen der Marke Globus und der heutigen Unternehmensstruktur unterschieden werden. Das russische Geschäft wurde Anfang 2025 aus der deutschen Globus Holding ausgegliedert. Nach Angaben der Gruppe arbeitet es rechtlich und organisatorisch eigenständig. Schröders Mandat betrifft somit die russische Betreibergesellschaft, nicht den Aufsichtsrat des deutschen Handelskonzerns.

Der Jurist Nikolai Titow von der Kanzlei a.t.Legal warnt jedoch in Kommersant, dass weder Profitabilität noch Investitionsbereitschaft vor einer Änderung der Verwaltung schützen. Auch ein prominenter Ex-Politiker im Aufsichtsrat begründe keine Ausnahme von den Regeln zur vorübergehenden Verwaltung. Persönliche Kontakte könnten Gesprächsmöglichkeiten eröffnen; eine rechtliche Garantie schaffen sie nicht.

Für Schröder bedeutet das neue Mandat die Fortsetzung seines bekannten Kurses. Für Hyperglobus könnte es zugleich ein Versuch sein, wirtschaftliche Präsenz politisch abzusichern. Darin liegt die eigentliche Bedeutung der Personalie: Was den früheren Kanzler in Deutschland politisch angreifbar macht, könnte ihn für ein Unternehmen in Russland besonders interessant machen.

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