Russland produziert weniger Alkohol – hohe Preise und neue Steuerregeln bremsen den Markt

Russland produziert weniger Alkohol – hohe Preise und neue Steuerregeln bremsen den Markt

Die russische Alkoholproduktion ist in den ersten acht Monaten 2026 deutlich gesunken. Besonders stark traf es Wodka, Cognac und Wein. Branchenvertreter nennen sinkende Nachfrage, höhere Preise und eine für die Hersteller kostspielige Änderung bei der Verbrauchsteuer als Ursachen.

Russlands Alkoholhersteller haben von Januar bis August 2026 insgesamt 684,1 Millionen Dekaliter Getränke produziert. Das waren 7,2 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie aus Zahlen der staatlichen Aufsichtsbehörde Rosalkogoltabakkontrol hervorgeht. Allein im August beschleunigte sich der Rückgang erheblich: Nach sieben Monaten hatte das Minus erst 2,4 Prozent betragen.

Besonders deutlich sank die Produktion hochprozentiger Getränke. Von Alkohol mit einem Alkoholgehalt von mehr als neun Prozent wurden 59,8 Millionen Dekaliter abgefüllt – 10,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Wodkaproduktion verringerte sich um 12,1 Prozent auf 39,6 Millionen Dekaliter, die Cognacproduktion um 16,8 Prozent auf vier Millionen Dekaliter. Andere hochprozentige Getränke verloren 18 Prozent. Lediglich die Herstellung bestimmter Likör- und Spirituosenerzeugnisse stagnierte nahezu.

Branchenvertreter erklären die Entwicklung vor allem mit den gestiegenen Preisen. Höhere Verbrauchsteuern und staatlich angehobene Mindestverkaufspreise haben seit Jahresbeginn praktisch alle starken Alkoholika verteuert. Gleichzeitig kühlt sich die russische Wirtschaft ab. Händler und Produzenten verringern ihre Lagerbestände, während die Verbraucher weniger Alkohol kaufen. Nach Einschätzung des Branchenverbands Alkopro ist die Produktion inzwischen auf den niedrigsten Stand seit 2023 gefallen.

Hinzu kommt eine Änderung der Steuerregeln. Seit dem 1. Juli müssen Alkoholunternehmen die Verbrauchsteuer bereits beim Einkauf des zur Herstellung benötigten Ethanols entrichten. Zuvor wurde sie erst beim Versand des fertigen Produkts fällig. Die Hersteller müssen deshalb erheblich mehr Kapital vorfinanzieren. Nicht alle Unternehmen dürften dazu in der Lage gewesen sein.

Auch der Weinsektor verzeichnet kräftige Einbußen. Die Produktion stiller Weine sank um 14,8 Prozent, die von Schaumwein um 14,6 Prozent. Bei Likörweinen betrug der Rückgang sogar 42,6 Prozent.

Für den neuerlichen Produktionseinbruch im August nennt Kommersant zusätzliche kriegsbedingte Ursachen. In der von Russland annektierten Krim sei die Stromversorgung wegen beschädigter Netze und Anlagen zeitweise eingeschränkt worden. Weinherstellung und Abfüllung benötigen jedoch viel Elektrizität oder alternativ Dieselkraftstoff. Zudem habe die Weinlese 2026 später begonnen als im außergewöhnlich frühen Vorjahr, sodass insbesondere für die Schaumweinproduktion noch Rohstoffe fehlten.

Selbst beim Bier setzte sich der Rückgang fort. Die Produktion verringerte sich um 6,2 Prozent auf 507,6 Millionen Dekaliter. Lediglich Cidre, Birnenwein und Met konnten mit einem Plus von einem Prozent leicht zulegen.

Die Zahlen sprechen damit weniger für einen gesellschaftlichen Aufbruch zur Nüchternheit als für eine Mischung aus Kaufkraftverlust, höheren Steuern, knapperer Unternehmensfinanzierung und den Folgen des Krieges. Russland trinkt möglicherweise weniger – freiwillig geschieht dies offenbar nur zum Teil.

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