Der französische Energiekonzern hat seine Beteiligung an Russlands Flüssiggasprojekt Arctic LNG 2 abgegeben. Eine Forderung über 1,3 Milliarden Dollar bleibt bestehen, ihre Rückzahlung ist ungewiss. Während sich der westliche Partner zurückzieht, verschafft China dem sanktionierten Projekt einen Absatzmarkt.
TotalEnergies hat den Ausstieg aus Arctic LNG 2 abgeschlossen. Wie das Unternehmen am 27. August mitteilte, wurden seine zehn Prozent an die Novatek-Tochter NordLine übertragen. Damit endet die direkte Beteiligung des französischen Konzerns an dem arktischen Flüssiggasprojekt. TotalEnergies behält allerdings Ansprüche auf die Rückzahlung von rund 1,3 Milliarden Dollar aus Gesellschafterdarlehen. Ob und wann das Geld fließen kann, hängt auch von den geltenden Sanktionen ab.
Der Betrag ist deshalb nicht mit einem Verkaufserlös zu verwechseln. Er bezeichnet eine offene Darlehensforderung. Den Preis für die übertragenen Anteile haben die Beteiligten nicht veröffentlicht. Präsident Wladimir Putin hatte die Transaktion Anfang Juni genehmigt; Konzernchef Patrick Pouyanné kündigte den bevorstehenden Ausstieg im Juli an.
Ein Rückzug, der lange vorbereitet war
Wirtschaftlich hatte TotalEnergies bereits kurz nach Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine Konsequenzen gezogen. Im April 2022 meldete der Konzern eine Wertminderung von 4,1 Milliarden Dollar, die insbesondere Arctic LNG 2 betraf. Als Begründung nannte er Risiken durch Technologie- und Finanzsanktionen sowie europäische Beschränkungen für die Lieferung von Ausrüstung zur Gasverflüssigung.
Der jetzt vollzogene Eigentümerwechsel schließt somit einen jahrelangen Rückzug ab. Die damalige Abschreibung und die heute noch bestehende Darlehensforderung sind dabei unterschiedliche Größen: Eine bilanzielle Wertminderung lässt vertragliche Rückzahlungsansprüche nicht automatisch verschwinden.
Für Novatek bedeutet die Übernahme eine stärkere Konzentration des Eigentums. Nach Angaben von The Bell halten Novatek und seine Tochtergesellschaften nun zusammen 70 Prozent an Arctic LNG 2. Jeweils zehn Prozent verbleiben bei den chinesischen Unternehmen CNPC und CNOOC sowie beim japanischen Konsortium aus Mitsui und JOGMEC.
China öffnet einen Absatzweg
Arctic LNG 2 war als großes internationales Gemeinschaftsprojekt angelegt. Die ursprüngliche Planung sah drei Verflüssigungslinien mit jeweils 6,6 Millionen Tonnen Jahreskapazität vor, zusammen 19,8 Millionen Tonnen. Diese Zahl bezeichnet die geplante Kapazität des vollständigen Projekts, nicht seine gegenwärtige Produktion.
Die amerikanischen Sanktionen gegen die Projektgesellschaft vom November 2023 verschärften die Schwierigkeiten. Dass davon auch die ausländischen Partner betroffen waren, dokumentierte damals der japanische Anteilseigner Mitsui in einer eigenen Mitteilung.
Inzwischen hat das Projekt jedoch einen Absatzweg nach China gefunden. Nach Schiffsbewegungsdaten von S&P Global erreichen Ladungen aus Arctic LNG 2 seit August 2025 den südchinesischen Hafen Beihai. Im Juni 2026 wurden dort acht entsprechende Schiffsankünfte registriert – ein bisheriger Monatsrekord. Verbesserte saisonale Transportbedingungen und zusätzliche Tankerkapazitäten unterstützten den Anstieg.
Das relativiert die Vorstellung eines vollständig stillgelegten Projekts. Zugleich beweisen steigende Lieferungen weder die Auslastung der geplanten Gesamtkapazität noch einen rentablen Betrieb. Transportmöglichkeiten, Absatz und Ertrag müssen getrennt betrachtet werden.
Die Konzentration auf China schafft zudem eine Abhängigkeit. Beihai war nach dem Bericht von S&P Global Anfang Juli der einzige bekannte chinesische Hafen, der diese sanktionierten Ladungen angenommen hatte. Für die Käufer eröffnet sich damit eine zusätzliche Bezugsquelle; für Arctic LNG 2 ist dieser Zugang von erheblich größerer Bedeutung. Eine solche ungleiche Ausgangslage kann die Verhandlungsposition des Verkäufers schwächen.
Kein vollständiger Abschied aus Russland
Auch TotalEnergies zieht keinen vollständigen Schlussstrich unter sein Russlandgeschäft. Der Konzern hält weiterhin 20 Prozent an Yamal LNG und 19,4 Prozent an Novatek. Darauf verweist die von der Moscow Times veröffentlichte AFP-Meldung. Der Rückzug betrifft damit die direkte Beteiligung an Arctic LNG 2; über Novatek bleibt eine mittelbare wirtschaftliche Verbindung bestehen.
Die Entwicklung zeigt, wie sich das Projekt unter dem Druck der Sanktionen verändert: Der französische Partner gibt seine Anteile ab, Novatek übernimmt mehr Eigentum, und China ermöglicht den Absatz eines Teils der Produktion. Daraus entsteht ein anderes Geschäftsmodell als die ursprünglich geplante internationale Zusammenarbeit.
Für TotalEnergies bleibt die Frage, ob aus der Milliardenforderung eines Tages wieder verfügbares Geld wird. Für Novatek lautet sie, ob sich aus den inzwischen möglichen Lieferungen ein dauerhaft tragfähiges Geschäft entwickeln lässt. Der Eigentümerwechsel allein beantwortet keine der beiden Fragen.

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