Russische Verbraucher kaufen deutlich mehr orthopädische Kissen, Schlafmasken, Ohrstöpsel und Geräte für weißes Rauschen. Die Verkaufszahlen zeigen einen neuen Konsumtrend – sind aber kein Beweis dafür, dass das ganze Land unter Schlaflosigkeit leidet.
In Russland wächst das Geschäft mit dem Schlaf. Im ersten Halbjahr 2026 kauften Verbraucher im Internet mehr als 3,7 Millionen Produkte, die einen besseren oder ruhigeren Schlaf versprechen. Dafür gaben sie nach Berechnungen des Analysedienstes First Data insgesamt 2,5 Milliarden Rubel aus.
Erfasst wurden orthopädische Kissen, Gewichtsdecken, Schlafmasken, Ohrstöpsel, Nahrungsergänzungsmittel und Geräte, die ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch – sogenanntes weißes Rauschen – erzeugen.
Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 stieg die Zahl der verkauften Artikel um 75 Prozent. Der Umsatz nahm dagegen lediglich um 23 Prozent zu. Rechnerisch sank damit der durchschnittliche Erlös je verkauftem Produkt um knapp 30 Prozent. Das kann auf eine Verschiebung hin zu preiswerteren Artikeln, stärkere Rabatte oder mehr günstige Angebote auf den Marktplätzen hindeuten.
Den größten Umsatz erzielten orthopädische Kissen. Russische Onlinekäufer gaben dafür innerhalb von sechs Monaten 1,1 Milliarden Rubel aus – 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Besonders dynamisch entwickelte sich der kleine Markt für Generatoren von weißem Rauschen. Die verkaufte Stückzahl erhöhte sich auf das 2,4-Fache, der Umsatz auf das 2,2-Fache. Mit 25 Millionen Rubel bleibt dieses Segment im Vergleich zum Kissengeschäft allerdings überschaubar.
Verschiedene Statistiken, unterschiedliche Wachstumsraten
Auch der Onlinehändler Wildberries meldet einen steigenden Absatz. Dort wurden im ersten Halbjahr 34 Prozent mehr orthopädische Matratzen und 20 Prozent mehr orthopädische Kissen verkauft. Bei Gewichtsdecken erhöhte sich die Stückzahl auf das 2,8-Fache.
Eine breiter angelegte Auswertung des Dienstes „Tschek Indeks“, die sowohl den Online- als auch den stationären Handel umfasst, zeigt jedoch ein deutlich gemäßigteres Bild. Die Zahl der Käufe von Kissen, Decken, Matratzen, Bettwäsche und Verdunkelungsvorhängen stieg von Januar bis Juli lediglich um drei bis sechs Prozent.
Bei preisgünstigeren Produkten wie Ohrstöpseln, Schlafmasken, Geräten für weißes Rauschen und intelligenten Weckern lag das Plus zwischen zehn und zwölf Prozent. Der sprunghafte Zuwachs von 75 Prozent betrifft somit ein eng abgegrenztes Sortiment im Internethandel und lässt sich nicht auf den gesamten russischen Markt für Schlafprodukte übertragen.
Mehr Beratungen wegen Schlafproblemen
Parallel zum Warenabsatz steigt offenbar der Beratungsbedarf. Beim medizinischen Onlinedienst SberSdorowje erhöhte sich die Zahl der Anfragen zu Schlafstörungen im ersten Halbjahr um 56 Prozent. Auch diese Zahl belegt allerdings nicht automatisch eine entsprechende Zunahme der Erkrankungen: Sie kann ebenso auf eine stärkere Nutzung digitaler medizinischer Angebote zurückgehen.
Ärzte nennen Stress, unausgewogene Ernährung sowie unregelmäßige Arbeits- und Ruhezeiten als häufige Ursachen von Schlafproblemen. Hinzu komme eine unzureichende Schlafhygiene – beispielsweise zu viel Licht, schlechte Belüftung, eine ungeeignete Raumtemperatur oder störender Lärm.
Mediziner warnen zugleich vor der Vorstellung, jedes Schlafproblem lasse sich durch den Kauf eines neuen Produkts lösen. Häufig reichten ein bequemes Bett, Dunkelheit, Ruhe sowie eine angemessene Temperatur und Luftfeuchtigkeit aus.
Falsch ausgewählte Hilfsmittel könnten sogar schaden. Eine zu schwere Gewichtsdecke kann Beschwerden verursachen, eine ungeeignete orthopädische Unterlage zu Verspannungen und Nackenschmerzen führen. Auch die dauerhafte Nutzung von weißem Rauschen ist nach Einschätzung von Ärzten nicht für jeden Menschen sinnvoll.
Zugelegt hat ebenfalls der Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln und Schlaftees. First Data registrierte online mehr als doppelt so viele verkaufte Produkte wie im Vorjahr. Der Umsatz stieg jedoch nur um zwölf Prozent auf 219 Millionen Rubel. In Apotheken wurden acht Prozent mehr entsprechende Mittel verkauft; der Umsatz erhöhte sich um 25 Prozent.
Die Zahlen beschreiben daher weniger eine eindeutig messbare Welle der Schlaflosigkeit als einen wachsenden Markt rund um das Bedürfnis nach Erholung. Viele Russen schlafen möglicherweise nicht schlechter als zuvor – sie sind aber zunehmend bereit, für die Aussicht auf besseren Schlaf Geld auszugeben.

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