Russlands Fischlieferungen in die Europäische Union sind im Juni deutlich gestiegen. Nach Angaben von Eurostat exportierten russische Unternehmen Fisch und Fischprodukte im Wert von 74,9 Millionen Euro in die EU. Das waren 70 Prozent mehr als im Mai und 22 Prozent mehr als im Juni des vergangenen Jahres. Einen höheren Monatswert hatte es zuletzt im November 2024 gegeben.
Mit Abstand wichtigster Abnehmer war Deutschland. Russische Fischprodukte im Wert von 42,3 Millionen Euro gingen an deutsche Kunden – damit entfielen mehr als 56 Prozent der gesamten EU-Einfuhren auf die Bundesrepublik. Es folgten Frankreich mit 14,4 Millionen Euro, die Niederlande mit 8,4 Millionen, Polen mit 4,4 Millionen und Dänemark mit 2,6 Millionen Euro.
Den größten Anteil bildeten Fischfilets und anderes Fischfleisch. Deren Lieferwert stieg gegenüber Mai um 80 Prozent auf 60,6 Millionen Euro. Gefragt waren vor allem tiefgekühlte Filets von Alaska-Seelachs und Kabeljau. Hinzu kamen gefrorene ganze Fische im Wert von 10,8 Millionen Euro sowie verarbeitete Fischprodukte für 3,2 Millionen Euro.
Die Zahlen zeigen eine jener Lücken, die im europäischen Sanktionsregime bewusst offen geblieben sind. Während zahlreiche russische Waren mit Einfuhrverboten oder hohen Zöllen belegt wurden, wird Fisch weiterhin in erheblichem Umfang aus Russland eingeführt. Noch im Juli hatte die EU darauf verzichtet, ein Importverbot für russische Fischprodukte in ihr jüngstes Sanktionspaket aufzunehmen.
Der europäische Markt kann offenbar nicht ohne Weiteres auf die russischen Lieferungen verzichten. Besonders bemerkenswert ist dabei die Rolle Deutschlands: Ausgerechnet der größte EU-Mitgliedstaat und einer der politischen Wortführer der Sanktionen war im Juni zugleich der mit Abstand größte Käufer russischen Fisches.

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