Russlands Zentralbank hebt Inflationsprognose deutlich an

Russlands Zentralbank hebt Inflationsprognose deutlich an

Die russische Zentralbank hat ihre Inflationsprognose für 2026 deutlich nach oben korrigiert. Statt der bisher erwarteten 4,5 bis 5,5 Prozent rechnet sie nun mit einer Teuerungsrate zwischen 6 und 7 Prozent zum Jahresende. Hauptursache ist der starke Anstieg der Kraftstoffpreise, dessen Folgen sich zunehmend auf andere Bereiche der Wirtschaft übertragen.

Nach dem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar zum mittelfristigen Wirtschafts­ausblick dürfte sich die Jahresinflation bis Ende September zunächst von 6,0 auf 6,3 Prozent beschleunigen. Für das dritte Quartal erwartet die Zentralbank einen saisonbereinigten Preisanstieg von annualisiert 7,0 Prozent. Im zweiten Quartal hatte dieser Wert noch bei 5,0 Prozent gelegen.

Besonders im Juni und Juli habe sich der Preisauftrieb durch die Verteuerung von Erdölprodukten verstärkt. Höhere Kraftstoffpreise wirken nicht nur unmittelbar auf Autofahrer und Transportunternehmen. Über steigende Transport- und Produktionskosten können sie nach und nach auch Lebensmittel, Industriewaren und Dienstleistungen verteuern.

Die Zentralbank geht allerdings davon aus, dass sich die Lage auf dem russischen Kraftstoffmarkt allmählich stabilisieren wird. Der nachhaltige, um besonders schwankungsanfällige Komponenten bereinigte Preisauftrieb soll in der zweiten Jahreshälfte auf annualisiert 4 bis 5 Prozent zurückgehen. Die Jahresinflation werde dennoch erst 2027 wieder den Zielwert von 4 Prozent erreichen.

Die neue Prognose fällt mit einer vorsichtigeren Einschätzung der gesamten Wirtschaftsentwicklung zusammen. Für 2026 erwartet die Zentralbank nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen null und 1 Prozent. Zuvor hatte sie mit 0,5 bis 1,5 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal dürfte sich das Wachstum im Jahresvergleich von 0,8 auf 0,5 Prozent verlangsamen.

Gleichzeitig entwickelten sich Konsum, Kreditvergabe und Geldmenge stärker als zuvor angenommen. Die Prognose für das Wachstum der Geldmenge wurde deshalb von 5 bis 10 auf 7 bis 12 Prozent angehoben. Nach Einschätzung der Zentralbank tragen auch die umfangreichen staatlichen Ausgaben zum Inflationsdruck bei. Sollte das Haushaltsdefizit länger hoch bleiben als im Basisszenario vorgesehen, könnte eine noch restriktivere Geldpolitik erforderlich werden.

Am 24. Juli hatte die Zentralbank den Leitzins zwar zum zehnten Mal in Folge gesenkt, diesmal jedoch nur um 0,25 Prozentpunkte auf 14 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet sie nun einen durchschnittlichen Zinssatz von 14,5 bis 14,6 Prozent. Von Ende Juli bis Dezember dürfte er durchschnittlich zwischen 13,7 und 14,0 Prozent liegen.

Die Korrektur zeigt damit ein ungünstigeres Gesamtbild als noch im Frühjahr: höhere Inflation, schwächeres Wachstum und eine länger anhaltende Hochzinspolitik. Die erhoffte Rückkehr zur Preisstabilität wird erneut in das kommende Jahr verschoben.

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