Die russische Traditionsmarke Moskwitsch hat ihre Modellpalette um zwei größere Geländewagen erweitert. Doch der Absatz der auf chinesischen Fahrzeugen basierenden Modelle M70 und M90 bleibt bislang weit hinter den Erwartungen zurück. Branchenvertreter halten vor allem die hohen Preise für das Problem. Die Absatzschwäche trifft Moskwitsch zudem in einem erneut nachgebenden russischen Automarkt.
In den ersten knapp vier Monaten seit dem Verkaufsstart wurden in Russland lediglich 491 Fahrzeuge der neuen Modelle Moskwitsch M70 und M90 verkauft. Beide Geländewagen gehören zu der Ende 2025 vorgestellten M-Baureihe und basieren auf Modellen des chinesischen Autokonzerns SAIC.
Der Hersteller hebt zwar hervor, dass der Absatz des kleineren M70 im Juni gegenüber dem Vormonat um 32 Prozent gestiegen sei. Hinter der auf den ersten Blick beachtlichen Wachstumsrate stehen allerdings nur 119 verkaufte Fahrzeuge. Angaben zum Absatz des größeren und teureren M90 machte Moskwitsch nicht.
Das Unternehmen erklärte lediglich, weiter an einer höheren Vertriebseffizienz und an der Verbesserung des Kundendienstes zu arbeiten. Ein Händler bestätigte gegenüber russischen Medien dagegen, dass Käufe der beiden neuen Modelle bislang eher Einzelfälle seien. Als Gründe werden neben einer unzureichenden Werbung vor allem die Preise genannt.
Chinesische Technik zum russischen Markenpreis
Anton Schaparin, Vizepräsident des Nationalen Automobilverbandes NAS, hält die Fahrzeuge für die meisten russischen Käufer schlicht für zu teuer. Die Kunden seien nicht bereit, mehrere Millionen Rubel für chinesische Autos zu bezahlen, die unter dem Namen Moskwitsch angeboten würden.
Der M70 wird nach Herstellerangaben unter Einrechnung von Rabatten und Sonderangeboten ab etwa 2,7 Millionen Rubel angeboten. Bei Händlern werden für den M90 Preise von mehr als 3,5 Millionen Rubel genannt; einzelne Angebote liegen sogar über vier Millionen Rubel.
Damit treten die Fahrzeuge nicht nur gegen russische Modelle, sondern unmittelbar gegen zahlreiche chinesische Marken an. Diese sind inzwischen auf dem russischen Markt fest etabliert und locken vielfach mit hohen Rabatten, günstigen Kreditangeboten und einer größeren Modellvielfalt.
Schaparin bezweifelt deshalb, dass sich die neue Baureihe unter den gegenwärtigen Bedingungen wirtschaftlich rechnen kann. Ohne eine deutliche Senkung der Preise werde Moskwitsch keine nennenswerten Marktanteile erreichen. Ein erheblicher Teil der bisherigen Verkäufe der Marke entfalle ohnehin auf staatliche Abnehmer, darunter die Moskauer Stadtverwaltung.
Neuer Name, bekanntes Problem
Die Wiederbelebung der Marke Moskwitsch war 2022 als eines der sichtbarsten Projekte der russischen Importsubstitution angekündigt worden. Nach dem Rückzug von Renault übernahm die Moskauer Stadtverwaltung das frühere Renault-Werk. Gemeinsam mit dem Lastwagenhersteller Kamaz wurde dort die Montage neuer Fahrzeuge aufgenommen.
Tatsächlich beruhen die bisherigen Moskwitsch-Modelle weitgehend auf chinesischen Konstruktionen. Die Fahrzeuge werden in Moskau zunächst aus angelieferten Bausätzen montiert und mit einem eigenen Emblem versehen. Auch die neuen M70 und M90 stammen technisch aus dem Angebot von SAIC.
Für viele Käufer bleibt daher unklar, welchen zusätzlichen Wert der traditionsreiche russische Markenname bietet. Moskwitsch muss seine Fahrzeuge gegen chinesische Originalmodelle positionieren, obwohl das Unternehmen bei Technik, Ausstattung und Preisen kaum eigenständige Vorteile vorweisen kann.
Die niedrigen Verkaufszahlen zeigen zugleich die Grenzen einer Importsubstitution, die bislang vielfach darin besteht, chinesische Produkte unter russischen Markennamen auf den Markt zu bringen. Patriotische Symbolik allein reicht offenbar nicht aus, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht überzeugt.
Der gesamte Automarkt schwächelt
Moskwitsch kämpft allerdings nicht allein mit Absatzproblemen. In der Woche vom 6. bis 12. Juli wurden in Russland rund 25.900 neue Personenwagen zugelassen. Gegenüber der Vorwoche bedeutete dies einen Rückgang um 16,2 Prozent.
Nach Einschätzung des Marktanalysten Sergej Zelikow waren die höheren Zulassungszahlen der beiden vorausgehenden Wochen teilweise auf nachträgliche Registrierungen von Fahrzeugen zurückzuführen, die noch zum Ende des zweiten Quartals verkauft worden waren. Nach Auslaufen dieses statistischen Effekts sei der Markt wieder auf das schwache durchschnittliche Niveau des bisherigen Jahres zurückgefallen.
Auch bei Nutzfahrzeugen ging der Absatz zurück. Die Verkäufe leichter Lieferwagen sanken innerhalb einer Woche um zehn Prozent auf 1.338 Fahrzeuge, bei Lastwagen betrug das Minus 15,6 Prozent; verkauft wurden nur noch 1.010 Fahrzeuge.
Als zusätzliche Belastung nennt Zelikow die gegenwärtigen Probleme bei der Kraftstoffversorgung. Während der Registrierungseffekt nur vorübergehend sei, könnten Kraftstoffknappheit und steigende Betriebskosten die Nachfrage auch in der zweiten Jahreshälfte bremsen. Hinzu kommen hohe Kreditzinsen, unsichere Einkommenserwartungen und weiterhin teure Neuwagen.
Vor diesem Hintergrund ist der schwache Start der neuen Moskwitsch-Modelle zwar Teil einer allgemeinen Marktflaute. Mit nur 491 verkauften M70 und M90 fällt er jedoch selbst für den derzeit schwierigen russischen Automarkt außergewöhnlich bescheiden aus. Die wiederbelebte Traditionsmarke steht damit erneut vor der Frage, ob sie außerhalb staatlicher Beschaffungsprogramme genügend private Käufer erreichen kann.

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