Schulden russischer Unternehmen steigen auf Rekordniveau

Schulden russischer Unternehmen steigen auf Rekordniveau

Die Schuldenlast der russischen Unternehmen ist auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Nach Angaben von „Iswestija“ unter Berufung auf Rosstat erreichten die überfälligen Verpflichtungen der Unternehmen rund sieben Billionen Rubel, derzeit 80 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres legte dieser Wert um 18 Prozent zu.

Noch größer ist das Gesamtvolumen der Verpflichtungen. Es näherte sich nach den genannten Daten der Marke von 300 Billionen Rubel und liegt damit rechnerisch über dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt Russlands. Diese Zahl umfasst allerdings nicht nur klassische Bankkredite, sondern die gesamten Verpflichtungen der Unternehmen.

Etwas mehr als 141 Billionen Rubel entfallen auf laufende Zahlungen gegenüber Lieferanten, Beschäftigten und dem Staat – also unter anderem auf Steuern, Abgaben sowie Renten- und Krankenversicherungsbeiträge. Weitere rund 152 Billionen Rubel bestehen aus Krediten und Darlehen. Damit zeigt sich, dass die Verschuldung nicht nur ein Problem der Banken ist, sondern auch die Zahlungsbeziehungen innerhalb der Realwirtschaft betrifft.

Besonders hoch sind die überfälligen Verbindlichkeiten in der verarbeitenden Industrie. Dort wurden fast 2,5 Billionen Rubel registriert. Es folgen der Handel mit rund 950 Milliarden Rubel, die Rohstoffförderung mit etwa 800 Milliarden Rubel und die Bauwirtschaft mit 321 Milliarden Rubel. Gerade diese Branchen stehen seit Monaten unter hohem Kostendruck: Kredite sind teuer, Logistik und Energie belasten die Kalkulation, der Rubelkurs schwankt, und zugleich steigen in vielen Bereichen die Steuer- und Abgabenlasten.

Ein besonders empfindlicher Punkt ist der hohe Anteil der Rückstände gegenüber Lieferanten. Nach den veröffentlichten Daten entfällt fast 55 Prozent der gesamten überfälligen Verschuldung auf solche Zahlungen. Das erhöht die Gefahr von Kettenreaktionen. Wenn ein Unternehmen seine Lieferanten nicht pünktlich bezahlt, kann es auch bei diesen zu Liquiditätsengpässen kommen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind für solche Ketteneffekte anfällig, weil sie meist weniger Reserven und schlechteren Zugang zu günstiger Finanzierung haben.

Auch die Banken spüren den Druck. Nach Angaben der Zentralbank stieg das Volumen problematischer Unternehmenskredite im ersten Quartal 2026 um mehr als vier Prozent auf rund elf Billionen Rubel. Besonders deutlich verschlechterte sich die Situation demnach in der Bauwirtschaft, im Immobiliensektor, im Handel und in der Industrie.

Die hohe Leitzinsphase bleibt dabei einer der wichtigsten Belastungsfaktoren. Zwar hat die russische Zentralbank den Leitzins zuletzt gesenkt, er liegt aber weiterhin bei 14,25 Prozent. Für Unternehmen bedeutet das hohe Kosten bei neuen Krediten und bei der Refinanzierung alter Verpflichtungen. Wer laufende Schulden verlängern muss, tut dies zu deutlich schlechteren Bedingungen als in Zeiten billigerer Finanzierung.

Die Steuerbehörde widerspricht allerdings dem Eindruck, dass sich die Lage bei Steuerschulden verschlechtere. Nach operativen Daten des Föderalen Steuerdienstes sei die Verschuldung bei Steuern und Abgaben zum 1. Juli sogar um 230 Milliarden Rubel auf 3,7 Billionen Rubel gesunken. Auch die Zahl der Steuerschuldner sei um 20 Prozent zurückgegangen.

Die Zahlen zeichnen dennoch ein angespanntes Bild. Die russische Wirtschaft wächst nur noch langsam, viele Unternehmen arbeiten mit knappen Margen, und die hohen Finanzierungskosten erschweren Investitionen. In dieser Lage werden Zahlungsrückstände zu einem Frühwarnsignal: Sie zeigen, dass Unternehmen ihre Verpflichtungen nicht mehr nur vorsichtiger eingehen, sondern zunehmend später bedienen.

Ökonomen und Branchenvertreter sehen deshalb vor allem zwei mögliche Entlastungswege: eine weitere Senkung des Leitzinses und eine Verringerung administrativer sowie fiskalischer Belastungen. Zusätzlich werden gezielte Unterstützungsmaßnahmen für besonders anfällige Branchen wie Kohleindustrie, Bauwirtschaft oder Ölverarbeitung genannt.

Für die russische Wirtschaft ist entscheidend, ob die Verschuldung beherrschbar bleibt oder ob sich aus Zahlungsrückständen eine breitere Krise der Unternehmensliquidität entwickelt. Noch handelt es sich nicht um eine flächendeckende Insolvenzwelle. Doch die Rekordwerte zeigen, dass immer mehr Unternehmen unter Druck geraten – nicht nur bei den Banken, sondern im gesamten Netz ihrer wirtschaftlichen Verpflichtungen.

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