Die neue russische Forbes-Liste markiert einen doppelten Höchststand: Sowohl die Zahl der Dollar-Milliardäre als auch ihr Gesamtvermögen liegen 2026 auf Rekordniveau. Laut den ausgewerteten Berichten umfasst das Ranking 155 russische Milliardäre; zusammen kommen sie auf 696,5 Milliarden Dollar. Im Vorjahr waren es 146 Personen mit 625,5 Milliarden Dollar gewesen.
Angeführt wird die Liste erstmals von Alexej Mordaschow. Das Vermögen des Hauptaktionärs von Severstal wird auf 37 Milliarden Dollar geschätzt. Damit ist er der erste russische Unternehmer überhaupt, der in diesem Ranking die Marke von 30 Milliarden Dollar überschreitet. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Wladimir Potanin mit 29,7 Milliarden Dollar und Wagit Alekperow mit 29,5 Milliarden Dollar. Im Vorjahr hatte noch Alekperow vor Mordaschow gelegen.
Den Ausschlag für Mordaschows Aufstieg gab vor allem der Wertzuwachs des Goldförderers Nordgold, der seiner Familie gehört. Nach Angaben von Forbes, zitiert von The Bell und Expert, stieg der Goldpreis binnen Jahresfrist um fast 80 Prozent. Dadurch wurde Nordgold in der Bewertung sogar wichtiger als Mordaschows traditioneller Hauptwert Severstal.
Auffällig ist zugleich die Breite des Vermögensanstiegs. Nach den von Expert wiedergegebenen Forbes-Daten wuchs das Vermögen bei 85 Teilnehmern, sank bei 35 und blieb bei 18 weitgehend unverändert. In die neue Liste kamen 14 Neulinge; drei weitere Milliardäre kehrten nach zwischenzeitlichem Ausscheiden zurück. Etwa die Hälfte dieser neuen oder zurückgekehrten Namen verdankte ihr Vermögen dem Agrar- und Lebensmittelsektor.
Ein Teil des Anstiegs erklärt sich nicht nur durch einzelne Branchengewinne, sondern auch durch Wechselkurseffekte. The Bell verweist darauf, dass der Rubel gegenüber dem Dollar binnen eines Jahres um 16 Prozent zulegte. Das half, in Dollar gerechnete Vermögen zusätzlich nach oben zu treiben.
Politisch und gesellschaftlich ist jedoch weniger der Rekordstand als die personelle Kontinuität bemerkenswert. The Bell hebt hervor, dass an der Spitze weiterhin fast ausschließlich Vertreter jener Unternehmergeneration stehen, die in den frühen 1990er Jahren im Zuge der Privatisierung des sowjetischen Industrieerbes zu großem Reichtum kamen. Trotz neuer Namen im Ranking insgesamt dringt keine jüngere Unternehmergeneration in die eigentliche Spitzengruppe vor.
Gerade darin liegt die eigentliche Aussagekraft der Liste 2026: Das große russische Kapital wächst trotz Krieg, Sanktionen und Konjunkturabkühlung weiter, doch seine Machtzentren bleiben erstaunlich stabil. Der Reichtum nimmt zu, aber die personelle Erneuerung an der Spitze bleibt aus. Selbst dort, wo neue Milliardäre hinzukommen, verschiebt sich das Kräfteverhältnis im oberen Segment kaum.
Ein bezeichnendes Gegenbeispiel ist Telegramchef Pawel Durow. The Bell nennt ihn den einzigen ernsthaften Kandidaten für einen Generationswechsel an der Spitze des russischen Forbes-Milieus. Doch sein Vermögen fiel laut dem Bericht von 17,1 auf 6,6 Milliarden Dollar, womit er als Symbol einer neuen Unternehmerelite fürs Erste ausfällt.

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