Russlands Kohleindustrie steckt weiter in der Krise

Russlands Kohleindustrie steckt weiter in der Krise

Russlands Kohlebranche hält Produktion und Export bislang überraschend stabil. Doch hinter den Mengen wachsen die Verluste rasant. Fallende Weltmarktpreise, hohe Transportkosten und Sanktionen setzen die Unternehmen unter Druck. Die Regierung sieht bereits Bedarf für einen grundlegenden Umbau der Branche.

Zwar sank die Förderung 2025 laut Rosstat nur minimal um 0,2 Prozent auf 429 Millionen Tonnen. Doch die wirtschaftliche Lage der Unternehmen verschlechterte sich deutlich. Nach offiziellen Daten waren in den ersten elf Monaten 2025 66,7 Prozent aller Kohlefirmen defizitär. Der kumulierte Verlust der Branche stieg in diesem Zeitraum auf 335 Milliarden Rubel, derzeit etwa 3,6 Milliarden Euro.

Besonders belastend sind der Preisverfall auf dem Weltmarkt und die gestiegenen Logistikkosten. Der durchschnittliche Exportpreis für russische Kraftwerkskohle in den Fernost-Häfen lag im Dezember 2025 nur noch bei 82 Dollar je Tonne. Drei Jahre zuvor waren es noch 159 Dollar gewesen. Gleichzeitig stiegen die Transporttarife auf der Schiene in den vergangenen drei Jahren um mehr als 45 Prozent.

Hinzu kommen die Folgen westlicher Sanktionen. Nach dem EU-Importverbot von 2022 und weiteren Embargos muss Russland seine Kohle mit Abschlägen verkaufen. Mehrere große russische Kohleunternehmen landeten zudem auf US-Sanktionslisten, was Logistik und Zahlungsabwicklung zusätzlich erschwert.

Trotzdem halten viele Unternehmen ihre Förderung weiter aufrecht. Der Grund ist strukturell: In der Kohlebranche sind die Fixkosten hoch, stillgelegte Gruben und Tagebaue verursachen weiter Kosten, und eine spätere Wiederinbetriebnahme wäre noch teurer. Deshalb wird weiter produziert, obwohl die Margen schrumpfen oder bereits ins Negative drehen.

Beim Export zeigt sich bisher noch eine gewisse Stabilität. 2025 stiegen die Ausfuhren laut den im Bericht zitierten Daten wieder auf 203 bis 211 Millionen Tonnen, nachdem sie zuvor drei Jahre in Folge zurückgegangen waren. Rund 80 Prozent der Exporte gingen nach Asien, vor allem nach China, Indien, Südkorea und in die Türkei.

Regional verschiebt sich die Branche bereits. Während die Förderung im traditionellen Kohlerevier Kusbass 2025 um 4 Prozent auf 190,7 Millionen Tonnen sank, legten Förderregionen im Fernen Osten zu. In Jakutien erreichte die Kohleproduktion mit 51,6 Millionen Tonnen sogar einen Rekordwert.

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