Das Magnitogorsker Metallurgiekombinat MMK reagiert auf den anhaltenden Nachfragerückgang mit harten Sparmaßnahmen. Wie Generaldirektor Pawel Schiljajew bereits vor einigen Tagen erklärte, werden nicht ausgelastete Anlagen stillgelegt, die Investitionsprogramme weitgehend eingefroren und die Zahl der Führungskräfte auf allen Ebenen um zehn Prozent reduziert. Konzernchef Viktor Raschnikow widersprach nun jedoch dem Eindruck eines umfassenden Stellenabbaus und erklärte, es gehe nicht um Entlassungen, sondern um eine vorübergehende Umverteilung des Personals.
Nach Angaben des Managements arbeitete MMK bereits im vergangenen Jahr nur noch mit einer Auslastung von 70 bis 80 Prozent und erzielte dabei lediglich eine minimale Rentabilität. Zugleich sanken die Umsätze, und die MMK-Gruppe schloss das Jahr mit einem Nettoverlust von fast 15 Milliarden Rubel ab. Bis März 2026 fiel die Auslastung den Angaben zufolge auf nur noch etwa 60 Prozent. Schiljajew begründete die Maßnahmen mit einem strukturellen Überangebot auf dem russischen Metallmarkt: Die Produktionskapazitäten der heimischen Metallhersteller lägen inzwischen etwa doppelt so hoch wie der aktuelle Marktbedarf. Eine spürbare Belebung der Nachfrage werde auch für 2026 nicht erwartet.
Als Reaktion darauf hat MMK Anfang März bereits die Zeche MMK-Ugol in Tschertinskaja-Koksowa stillgelegt, einen Teil der Anlagen von MMK-Metiz außer Betrieb genommen und im Werk in Lyswa Kurzarbeit eingeführt. Darüber hinaus optimiert der Konzern seine Lagerbestände, reduziert Instandhaltungsarbeiten und hat die Umsetzung des Investitionsprogramms praktisch gestoppt.
Schiljajew hatte in diesem Zusammenhang auch einen Personalabbau im Führungspersonal angekündigt. Außerdem stellte der Konzern die Einstellung neuer Mitarbeiter weitgehend ein; Ausnahmen gelten nur noch für Absolventen der eigenen Fachhochschulen in Magnitogorsk. Einzelne Abteilungen wurden auf ein Fünf-Schicht-System umgestellt, externe Wartungsarbeiten wieder ins Unternehmen zurückgeholt und nicht ausgelastete Beschäftigte sollen verstärkt für technische Arbeiten eingesetzt werden. Mitarbeitern im Rentenalter sei zudem angeboten worden, in den Ruhestand zu gehen.
Vorstandschef Raschnikow bemühte sich nun um eine Einordnung dieser Schritte. Es werde keine allgemeinen Stellenstreichungen geben, sagte er am Rande eines Unternehmerkongresses. Personal solle lediglich zwischen Standorten und Produktionsbereichen umverteilt werden – von dort, wo es derzeit keine ausreichende Auslastung gebe, dorthin, wo Bedarf bestehe. Dies sei eine vorübergehende Maßnahme.
Auch staatliche Hilfe will MMK nach Angaben Raschnikows vorerst nicht beantragen. Zwar gebe es inzwischen Unterstützungsmechanismen für besonders stark belastete Unternehmen, doch MMK komme derzeit noch ohne einen Antrag beim zuständigen Unterausschuss des Finanzministeriums aus. Dieses Gremium zur Vergabe staatlicher Hilfen für Unternehmen der russischen Wirtschaft war im Mai 2025 eingerichtet worden.
Unterm Strich zeigt sich damit ein widersprüchliches Bild: Während MMK auf die schwache Marktlage mit deutlichen Einschnitten bei Produktion, Investitionen und Management reagiert, versucht die Konzernführung zugleich, Sorgen über einen breiteren Arbeitsplatzabbau zu dämpfen.

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