Nabiullina warnte davor, die Wirtschaft auf Kosten der russischen Bürger anzukurbeln

Nabiullina warnte davor, die Wirtschaft auf Kosten der russischen Bürger anzukurbeln

Die Präsidentin der Bank von Russland, Elvira Nabiullina, hat in der Staatsduma die vorsichtige Linie der Zentralbank bei der Senkung des Leitzinses verteidigt und zugleich vor den Folgen einer zu lockeren Geldpolitik gewarnt. Bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts für das Jahr 2025 erklärte sie, der Rückgang der Inflation in Russland sei kein Zufall, sondern das Ergebnis einer straffen Geldpolitik.

Zum Jahresende 2025 sei die Inflation auf 5,6 Prozent gesunken – auf den niedrigsten Stand seit 2020, aber weiterhin auf einem zu hohen Niveau, sagte Nabiullina. Gerade deshalb dürfe man sich nicht mit hoher Inflation abfinden: Sie müsse und werde weiter sinken. Nach ihren Worten hätte die Teuerung bis Ende 2025 sogar auf 30 Prozent steigen können, wenn die Behörden den starken Preisanstieg Ende 2024 nicht eingedämmt hätten.

Zugleich machte die Zentralbankchefin deutlich, dass die Bank von Russland den Leitzins theoretisch schneller senken könnte. Eine solche Entscheidung komme jedoch nur dann infrage, wenn es zu einem deutlichen Konjunktureinbruch oder zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit käme. Derzeit gehe die Zentralbank angesichts der bestehenden Risiken bewusst vorsichtig vor, um einen Rückschlag bei der Inflationsbekämpfung zu vermeiden. Bereits am 20. März hatte die Bank von Russland den Leitzins um 50 Basispunkte von 15,5 auf 15 Prozent gesenkt. Ob es bei den kommenden Sitzungen weitere Zinssenkungen geben wird, soll von der Nachhaltigkeit des Inflationsrückgangs, den Inflationserwartungen sowie internen und externen Risiken abhängen. Die nächste Zinssitzung ist für den 24. April angesetzt.

Nabiullina warnte außerdem davor, das Wirtschaftswachstum durch „großzügig verteiltes billiges Geld“ ankurbeln zu wollen. Eine solche Politik gehe letztlich zulasten der Bürger, weil sie die Inflation antreibe. Diesen Fehler habe man 2024 bereits erlebt, als die Teuerung stark anzog. Eine wirtschaftliche Entwicklung auf Kosten der Bevölkerung dürfe nicht wiederholt werden.

Nach Darstellung der Zentralbankpräsidentin kann die russische Wirtschaft dauerhaft nur dann wachsen, wenn die Arbeitsproduktivität steigt. Hier sieht sie derzeit ein zentrales Problem: In Russland gebe es praktisch keine freien Arbeitskräfte mehr, was die weitere Expansion bremse. Zwar seien die Investitionen zuletzt um rund 20 Prozent pro Jahr gestiegen, die Arbeitsproduktivität aber nur um etwa zwei Prozent. Damit blieben die bisherigen Versuche, über Investitionen einen kräftigen Produktivitätsschub auszulösen, weit hinter den Erwartungen zurück.

Gleichzeitig betonte Nabiullina, die russische Wirtschaft sei noch weit von einer Rezession entfernt. Auf dem Arbeitsmarkt zeigten sich vielmehr erste Anzeichen einer Entspannung. Nach Prognose der Zentralbank soll die jährliche Inflation 2026 auf 4,5 bis 5,5 Prozent sinken und ab 2027 wieder den Zielwert von vier Prozent erreichen.

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