Die Digitalisierung der Agrarindustrie ist einer der vielversprechendsten Bereiche, um in deren Modernisierung zu investieren. Das russische Wirtschaftsblatt Kommersant hat zusammengestellt, wie die Lebensmittel- und Ernährungsmärkte mithilfe neuer Technologien lernen, zu sehen, zu zählen und nichts zu verlieren.
Die Digitalisierung des Agrarsektors könnte bis Ende 2030 einen Betriebsgewinn von bis zu 1,5 Billionen Rubel (derzeit 16,3 Milliarden Euro), bringen, so die Analysten der Beratungsfirma Axenix. In einem Land, in dem der Agrarsektor jährlich um 14 Prozent wächst und den Haushalt mit Exporteinnahmen auffüllt, erscheint ein solcher Betrag für Investitionen in die Modernisierung attraktiv. Obwohl der Markt für IT-Lösungen für die Landwirtschaft in Russland bereits etabliert ist, entfallen 48 Prozent der Implementierungen nach wie vor auf die grundlegende Automatisierung.
Die Experten von Axenix behaupten, dass eine umfassende digitale Transformation je nach Segment zu einem Anstieg des Betriebsgewinns um 5 bis 20 Prozent führen kann. Die Effizienz der Modernisierung hängt vom Umfang der Umstellung ab: von punktuellen Lösungen bis hin zu einem einheitlichen „intelligenten“ Ökosystem. Der heimische Markt ist bereits mit „grünen” Lebensmitteltechnologien gesättigt und versucht, diese in den realen Produktionszyklus zu integrieren. „Kommersant” hat drei Geschichten darüber zusammengestellt, wie die Lebensmittel- und Ernährungsmärkte lernen, zu sehen, zu zählen und nichts zu verlieren.
Für Russland, einen der weltweit größten Getreideexporteure, ist die Fruchtbarkeit des Bodens von entscheidender Bedeutung. Eine der Gefahren für die Fruchtbarkeit ist die Erosion, die durch Wind, Wasserströme und mechanische Einwirkungen von Maschinen verursacht wird. Laut Angaben der russischen Agraraufsichtsbehörde Rosselkhoznadzor bestehen Erosionsrisiken für 4,5 Millionen Hektar Ackerland im Altai-Gebiet, einer Region mit den wichtigsten landwirtschaftlichen Gebieten im asiatischen Teil Russlands.
Eine innovative Methode zur Erkennung von Erosion ist die Überwachung des Bodens mithilfe von Drohnen. Anhand der Daten aus der Luftbildfotografie können Landwirte Bereiche mit Bodenverarmung und Störungen des Aussaatprozesses erkennen sowie Vegetationsindizes berechnen. Das ermöglicht ihnen anschließend, zeitnah fundierte Entscheidungen zu treffen. Früher war der Einsatz von Drohnen nur in sehr großen Betrieben wirtschaftlich rentabel. Mit dem Aufkommen immer leichterer UAVs wird diese technische Innovation jedoch allmählich auch für mittelständische Unternehmen zugänglich. Derzeit können solche UAVs bis zu 42 km² pro Flug erfassen, was für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe ausreichend ist, so Ilja Demko, Direktor der Dienstleistungsabteilung der Geoscan-Gruppe.
Die massive Verbreitung von UAVs in der Landwirtschaft wird jedoch derzeit noch durch gesetzliche Verbote behindert. In den meisten Regionen Russlands sind ihre Flüge derzeit verboten. Bei Geoscan weist man jedoch darauf hin, dass das Interesse an der Nutzung von UAVs trotz der bestehenden Einschränkungen zunimmt. „Die landwirtschaftlichen Betriebe ziehen es einfach häufiger vor, keine Drohnen zu kaufen, sondern die Vermessungsdienstleistungen bei einem externen Unternehmen in Auftrag zu geben“, so Ilja Demko.

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