Die Konsumausgaben in Russland wachsen immer langsamer. Während die Bevölkerung weiterhin mehr Geld für Lebensmittel ausgibt, schwächt sich die Nachfrage nach anderen Waren und Dienstleistungen ab. Hohe Kreditzinsen, steigende Preise und die zunehmende Sparneigung der Verbraucher belasten den Binnenmarkt.
Nach Berechnungen der Alfa-Bank stiegen die inflationsbereinigten Konsumausgaben im September 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,9 Prozent. Der SberIndex, der Kartenzahlungen der Sberbank auswertet, ermittelte ein Plus von 4,3 Prozent.
Im Oktober setzte sich die Abschwächung jedoch deutlich fort. Während die realen Ausgaben in der letzten vollständigen Septemberwoche noch um 2,2 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, sanken sie in der Woche vom 12. bis 18. Oktober um 0,03 Prozent. In der darauffolgenden Woche wurde lediglich ein Zuwachs von 0,3 Prozent verzeichnet.
Die Entwicklung fällt je nach Verbrauchsbereich unterschiedlich aus. Lebensmittel werden weiterhin stärker nachgefragt, während sich das Wachstum beim Kauf von Nichtlebensmitteln abschwächt. Besonders bei Dienstleistungen und Restaurantbesuchen bleibt die Entwicklung hinter den durchschnittlichen Wachstumsraten der Jahre 2021 bis 2026 zurück.
Auch der Automarkt zeigt Anzeichen einer Abschwächung. Im September erreichten die Neuwagenverkäufe lediglich das Vorjahresniveau, nachdem sie im August um sieben Prozent zurückgegangen waren. Analysten erwarten, dass steigende Autopreise Käufer zunehmend zu günstigeren Ausstattungsvarianten oder auf den Gebrauchtwagenmarkt treiben.
Gleichzeitig wächst die Bereitschaft der Bevölkerung, Geld zurückzulegen. Nach Angaben der Raiffeisenbank steigen sowohl die Verbraucherkredite als auch die Guthaben auf Bankkonten. Die Analysten führen dies auf höhere Einkommen, aber auch auf eine vorsichtigere Finanzplanung der Haushalte zurück.
Zusätzlichen Druck erwarten die Banken durch steigende Treibstoffkosten und einen schwächeren Rubel. Beides könnte sich in höheren Verbraucherpreisen und geringeren Preisnachlässen im Handel niederschlagen.
Seit dem 1. Oktober gelten zudem strengere Beschränkungen für längerfristige Verbraucherkredite an Personen, die bereits mehr als die Hälfte ihres Einkommens für den Schuldendienst aufwenden. Dadurch könnte die kreditfinanzierte Nachfrage zusätzlich gebremst werden.
Die Analysten der Alfa-Bank rechnen deshalb im vierten Quartal mit einer weiteren Verlangsamung des privaten Konsums, insbesondere bei langlebigen Konsumgütern.
Russlands Binnenwirtschaft bekommt damit zunehmend die Zurückhaltung der Verbraucher zu spüren. Von einem allgemeinen Rückgang des Konsums kann bislang zwar nicht gesprochen werden, doch das inflationsbereinigte Wachstum ist zuletzt nahezu zum Stillstand gekommen.

Kommentare