Russland gibt wieder begrenzte Mengen Diesel für den Export frei. Ein erster Tanker ist auf dem Weg nach New York. Doch die nach Gesprächen zwischen Wladimir Putin und Donald Trump vereinbarte Öffnung hat den internationalen Markt bislang nicht spürbar entspannt. Dafür fehlen größere und dauerhaft verfügbare Liefermengen.
Die politische Verständigung hat einen Tanker auf den Weg gebracht, aber noch keine Preiswende ausgelöst. Wie Kommersant unter Berufung auf die Schiffsverfolgung von S&P Global berichtet, verließ am 22. Oktober eine Ladung russischen Dieselkraftstoffs den Ostseehafen Primorsk. Die Ankunft in New York wird für den 6. oder 7. November erwartet. Nach Angaben von Vizepremier Alexander Nowak umfasst die erste Lieferung rund 40.000 Tonnen.
Russland hatte seine Dieselexporte ab dem 10. Oktober teilweise wieder freigegeben. Zunächst ist die Ausfuhr von 500.000 Tonnen vorgesehen. Dabei handelt es sich nicht um eine vollständige Aufhebung der Beschränkungen: Einzelne Ölunternehmen erhalten nach Informationen der Zeitung Exportkontingente.
Am europäischen Markt blieb die erhoffte Entlastung zunächst aus. Die von Platts ermittelte Notierung für Diesel mit Lieferung nach Nordwesteuropa einschließlich Fracht und Versicherung stieg am 22. Oktober um 8,50 Dollar auf rund 1.480 Dollar je Tonne. Damit lag sie zwar unter dem Septemberhoch von 1.640 Dollar, aber weiterhin auf hohem Niveau.
Eine Tankerladung ersetzt keinen dauerhaften Nachschub
Die von Kommersant befragten Analysten nennen mehrere Gründe: hohe Rohölpreise, geringe Dieselvorräte und herbstliche Wartungsarbeiten in Raffinerien. Hinzu kommt die Vorbereitung auf den Winter. Selbst sinkende Rohölpreise würden deshalb nicht unmittelbar zu billigerem Diesel führen.
Portfoliomanager Dmitri Skrjabin von Alfa-Capital hält für eine nachhaltige Entlastung zusätzliche Lieferungen von ungefähr einer Million Barrel täglich über mehrere Monate für erforderlich. Einzelne Ladungen von einigen Zehntausend oder Hunderttausend Tonnen könnten Erwartungen beeinflussen, änderten aber die Versorgungslage nicht grundlegend.
Für Europa könnte russischer Diesel auch über einen Umweg Bedeutung gewinnen. Der Schiffsmakler SSY erläutert dem Bericht zufolge: Entlasten russische Lieferungen den amerikanischen Markt, könnten US-Raffinerien weiterhin mehr Abnehmer im Ausland beliefern. Eine Lieferung nach New York wäre damit auch für andere Märkte relevant. Voraussetzung bliebe allerdings, dass daraus ein verlässlicher Warenstrom entsteht.
Russland muss zugleich den eigenen Markt versorgen
Wie weit Moskau die Exporte ausweiten kann, hängt auch von der Lage seiner Raffinerien ab. Angriffe und daraus folgende Produktionsausfälle hatten die verfügbaren Mengen eingeschränkt. Die begrenzte Freigabe erfolgt somit vor dem Hintergrund eines weiterhin angespannten heimischen Kraftstoffmarktes.
Bei Diesel bezeichnet Platts das russische Angebot derzeit als ausreichend. Bei Benzin bestehe dagegen weiterhin eine Knappheit, auch wenn beschleunigte Raffineriereparaturen die Situation verbesserten. Die Regierung meldete nach einer Beratung am 22. Oktober steigende Produktion und den Aufbau von Vorräten.
Eine Rückkehr zu günstigen Kraftstoffpreisen bedeutet das bislang nicht. Nach den im Bericht angeführten Rosstat-Daten verteuerte sich Diesel seit Ende 2025 bis zum 19. Oktober um 13,4 Prozent, Benzin um 20,5 Prozent.
Die Exportöffnung muss daher zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllen: zusätzliche Lieferungen ins Ausland ermöglichen und die Versorgung im Inland sichern. Die erste Tankerladung zeigt, dass der Handel wieder anläuft. Für eine dauerhafte Entlastung der Preise müssen ihr wesentlich größere Mengen folgen.

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