Russland bereitet die erste Diesellieferung in die Vereinigten Staaten vor. Ein Tanker mit 40.000 Tonnen soll in den kommenden Tagen auslaufen, voraussichtlich über die Ostsee. Während Washington große Mengen angekündigt hat, knüpft Moskau den Export an zwei Voraussetzungen: den Bedarf im eigenen Land und die Leistungsfähigkeit seiner Raffinerien.
Russland will seine Diesellieferungen in die USA vor allem über Ostseehäfen abwickeln. Das erklärte Vizepremier Alexander Nowak am 21. Oktober gegenüber dem Fernsehsender Vesti. Genutzt werden sollen die Seehäfen, über die Russland traditionell Erdöl und Erdölprodukte exportiert. Einen konkreten Verladehafen nannte er dabei nicht.
Für den ersten Tanker kündigte Nowak eine Abfahrt am 22. Oktober an. Präsident Wladimir Putin sprach am selben Tag beim Treffen mit dem amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff dagegen von einer Abfahrt in zwei bis drei Tagen. Die erste Ladung soll 40.000 Tonnen Dieselkraftstoff umfassen; weitere Schiffe sollen folgen. Nach Nowaks Angaben befand sich die Unterzeichnung des Liefervertrags noch in der Schlussphase.
Zugleich bemühte sich der Vizepremier, mögliche Sorgen um die Versorgung in Russland auszuräumen. Gegenüber dem Journalisten Alexander Junaschew erklärte er, ausgeführt werde ausschließlich Diesel, der auf dem Binnenmarkt nicht benötigt werde. Die russischen Raffineriekapazitäten überstiegen den heimischen Verbrauch. Aus diesen Überschüssen sollten die vereinbarten Lieferungen an die USA und gegebenenfalls an weitere Länder bedient werden.
Damit beschreibt Moskau eine Reihenfolge: Zunächst soll die Versorgung im Inland gesichert werden. Bei den Exporten erhalten anschließend die vereinbarten amerikanischen Mengen besonderes Gewicht. Lieferungen an andere Länder hängen laut Nowak davon ab, welche zusätzlichen Mengen Russland über den Bedarf der USA hinaus bereitstellen kann.
Die politische Vereinbarung geht auf den 9. Oktober zurück. Donald Trump hatte anschließend angekündigt, Russland werde mehr als 300.000 Tonnen Diesel „sofort“ für den amerikanischen und den Weltmarkt bereitstellen. The Bell stellt dieser Zusage den nun angekündigten ersten Transport von 40.000 Tonnen gegenüber.
Dieser Vergleich verdeutlicht den bescheidenen Auftakt, belegt aber für sich genommen noch keine verfehlte Gesamtzusage. Die 40.000 Tonnen betreffen ein einzelnes Schiff für die USA; die größere Menge umfasst mehrere mögliche Lieferungen an amerikanische und andere Abnehmer. Entscheidend wird sein, welche weiteren Ladungen tatsächlich folgen.
Auch bei den Ausbauplänen müssen unterschiedliche Größen auseinandergehalten werden. In den von Kommersant wiedergegebenen Ankündigungen nennt Nowak für Oktober rund 300.000 Tonnen für die USA und weitere Partnerländer, für November bis zu 500.000 und für Dezember bis zu einer Million Tonnen. Daneben steht die Aussicht, die gesamten russischen Dieselexporte zum Jahresende auf 3 bis 3,5 Millionen Tonnen monatlich zu steigern. Diese Gesamtmenge ist keine alleinige Lieferzusage an Washington.
Wie schnell der Export wieder wachsen kann, hängt nach Nowaks eigener Aussage von den Möglichkeiten der Raffinerien ab. Gegenüber Interfax erklärte er, das frühere volle Exportvolumen könne nach dem vorgesehenen Zeitplan erst zum Jahresende wieder erreicht werden. Dann könnten auch andere Länder wieder ihre bisherigen Mengen beziehen.
Der Hintergrund ist eine angespannte Versorgungslage. Nach Darstellung von The Bell hatten ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien im Herbst zu Kraftstoffengpässen beigetragen. Russland beschränkte daraufhin die Ausfuhren. Im Zuge der Verständigung mit Washington wurden die amerikanischen Sanktionen für russischen Diesel vorübergehend gelockert und das russische Exportverbot ab dem 10. Oktober teilweise aufgehoben.
Die Regierung muss damit mehrere Ansprüche gleichzeitig erfüllen: den Binnenmarkt versorgen, die Vereinbarung mit Washington umsetzen und weitere Auslandskunden bedienen. Nowaks Hinweis auf rechnerisch ausreichende Raffineriekapazitäten beantwortet dabei noch nicht, wie viel Diesel die Anlagen unter den gegenwärtigen Bedingungen tatsächlich zusätzlich liefern können.
Der erste Tanker wäre ein sichtbarer Beginn des Geschäfts. Ob daraus rasch ein regelmäßiger Lieferstrom wird, entscheidet sich jedoch an den Raffinerien und Verladeterminals. Die politische Zusage steht – ihre Umsetzung bleibt an die verfügbare Produktion gebunden.
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