Russlands Warenexporte sind in den ersten acht Monaten 2026 deutlich gestiegen. Rund 80 Prozent des Ausfuhrwerts entfielen auf asiatische Länder. Die Warenstruktur bleibt von Rohstoffen und Metallen geprägt, während Russland zugleich mehr Maschinen und Ausrüstung importiert.
Russland hat von Januar bis August Waren im Wert von 304,2 Milliarden Dollar exportiert. Das waren 14,2 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Importe stiegen um 13,1 Prozent auf 201,3 Milliarden Dollar. Der Handelsüberschuss erhöhte sich damit um 16,4 Prozent auf 102,9 Milliarden Dollar. Das berichten Kommersant und Interfax unter Berufung auf die föderale Zollbehörde.
Das Plus zeigt, dass Russlands Warenhandel wertmäßig wächst. Über eine entsprechende Zunahme der gelieferten Mengen sagt es allein jedoch nichts aus: Die Statistik erfasst Dollarwerte, deren Entwicklung auch von Preisen beeinflusst wird.
Asien als zentraler Absatzmarkt
Die Ausfuhren nach Asien erreichten 244 Milliarden Dollar. Damit entfielen rechnerisch rund vier Fünftel der russischen Warenexporte auf diesen Raum. Die Einfuhren von dort beliefen sich auf 137,8 Milliarden Dollar. Am gesamten Warenhandel Russlands hatte Asien einen Anteil von 75,5 Prozent, berichtet Wedomosti.
Die starke Konzentration auf asiatische Märkte zeigt, wie sehr sich die geografischen Schwerpunkte des russischen Außenhandels verschoben haben. Sie eröffnet Absatzmöglichkeiten, bündelt das Geschäft aber zugleich auf einen begrenzteren Kreis von Regionen.
Rohstoffe hinaus, Ausrüstung hinein
Mineralische Produkte bildeten mit einem Anteil von 56,1 Prozent weiterhin die größte Exportgruppe. Nach Angaben von Interfax legten die Ausfuhren dieser Kategorie um 14,5 Prozent auf 170,6 Milliarden Dollar zu. Der Export von Metallen und Metallwaren stieg um 22,2 Prozent auf 55,6 Milliarden Dollar. Zusammen machten beide Gruppen rechnerisch rund 74 Prozent des gesamten Ausfuhrwerts aus.
Die Sammelkategorie Maschinen, Ausrüstung, Fahrzeuge und sonstige Waren entwickelte sich anders: Ihre Ausfuhr sank um 1,5 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar. Gleichzeitig importierte Russland Waren dieser Kategorie im Wert von 97,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 15,2 Prozent. Sie stellte damit nahezu die Hälfte des gesamten Importwerts.
Diese Gegenüberstellung spricht für die fortbestehende Bedeutung ausländischer Technik und Ausrüstung. Einen breit angelegten industriellen Exportaufschwung belegen die Zahlen nicht. Aus der weit gefassten Warenkategorie lässt sich allerdings auch nicht ablesen, welche einzelnen Industriezweige ihre Ein- oder Ausfuhren verändert haben.
Europa bleibt Lieferant
Gegenüber Europa verlief das Geschäft gegenläufig. Russlands Ausfuhren in europäische Länder sanken um 1,1 Prozent auf 38,6 Milliarden Dollar. Die Einfuhren von dort stiegen hingegen um 8,3 Prozent auf 49,8 Milliarden Dollar.
Kommersant weist auf eine wesentliche Einschränkung hin: Die europäische Ländergruppe der russischen Zollstatistik umfasst auch Belarus. Ein steigender Importwert aus Europa ist deshalb nicht mit einer gleich großen Zunahme direkter Lieferungen aus der Europäischen Union gleichzusetzen. Bei einzelnen nicht sanktionierten Waren, etwa Arzneimitteln, wachsen dem Bericht zufolge allerdings auch die Lieferungen aus der EU.
Exportplus ist kein Maß für die gesamte Konjunktur
Der Anstieg der Außenhandelswerte beschreibt eine Stütze der russischen Wirtschaft. Er lässt sich jedoch nicht unmittelbar auf die Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts übertragen. Dafür unterscheiden sich die Messgrößen zu stark: Hier stehen Warenwerte in laufenden Dollar, dort die preisbereinigte Wertschöpfung der gesamten Wirtschaft.
Ohne eine Trennung von Preis- und Mengeneffekten bleibt offen, welcher Teil des Exportzuwachses auf zusätzliche Lieferungen zurückgeht. Zudem endet der erfasste Zeitraum im August. Die jüngsten Entwicklungen im September und Oktober sind darin noch nicht enthalten.
Die Bilanz der ersten acht Monate zeigt somit einen wertmäßig wachsenden Außenhandel mit einem deutlichen Schwerpunkt: Russland verkauft vor allem rohstoffgeprägte Waren, findet seine wichtigsten Absatzmärkte in Asien und kauft zugleich in erheblichem Umfang Technik und Ausrüstung im Ausland ein.

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