Russlands Wirtschaft: IWF erwartet auch 2027 keine Belebung

Russlands Wirtschaft: IWF erwartet auch 2027 keine Belebung

Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognosen für Russland gesenkt. Für 2026 und 2027 erwartet er jeweils nur noch 0,9 Prozent. Damit bleibt die vom russischen Wirtschaftsministerium und der Zentralbank erhoffte Beschleunigung im kommenden Jahr in seiner Prognose aus.

Russlands Wirtschaft dürfte auch im kommenden Jahr nur langsam wachsen. In seiner am 13. Oktober veröffentlichten Herbstprognose senkte der Internationale Währungsfonds (IWF) die erwartete Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts für 2026 und 2027 auf jeweils 0,9 Prozent. Im Juli hatte der Fonds für beide Jahre noch 1,1 Prozent vorausgesagt. Die Korrektur beträgt damit jeweils 0,2 Prozentpunkte, wie Meduza und die Nachrichtenagentur Interfax berichten.

Die eigentliche Differenz zu den russischen Behörden liegt im Ausblick auf 2027. Das Wirtschaftsministerium erwartet, dass sich das Wachstum von 0,6 Prozent in diesem Jahr auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr beschleunigt. Die Zentralbank setzt für 2027 sogar eine Spanne von 1,5 bis 2,5 Prozent an. Der IWF rechnet dagegen mit unverändert schwacher Dynamik.

Für das laufende Jahr ist der Fonds keineswegs pessimistischer als sämtliche russischen Stellen: Seine Prognose liegt über der des Wirtschaftsministeriums und innerhalb der von der Zentralbank erwarteten Spanne von null bis einem Prozent. Die neue Einschätzung stellt somit vor allem die Aussicht auf eine baldige Belebung infrage.

Rohstoffpreise stützen, Infrastrukturschäden belasten

Nach Darstellung von The Bell verweist der IWF auf höhere Rohstoffpreise, die Russlands Wirtschaft eine gewisse Unterstützung geben. Gleichzeitig gehen die Ölexporte demnach infolge von Schäden an der Ölinfrastruktur zurück. Höhere Preise und sinkende Liefermengen wirken damit in entgegengesetzte Richtungen. Aus steigenden Weltmarktpreisen allein lässt sich folglich keine entsprechende Verbesserung der russischen Exporterlöse ableiten.

Meduza hebt außerdem hervor, dass der Bericht steigende Verteidigungsausgaben als stützenden Faktor nennt. Die staatliche Nachfrage nach Rüstungsgütern trägt zur gemessenen Wirtschaftsleistung bei. Daraus lässt sich jedoch keine gleichmäßige Erholung der übrigen Wirtschaft ableiten: Die gesamtwirtschaftliche Wachstumszahl zeigt nicht, wie sich zivile Branchen oder der Lebensstandard der Bevölkerung entwickeln.

Weltbank noch zurückhaltender

Mit seinem vorsichtigen Ausblick steht der IWF nicht allein. Laut Meduza hielt die Weltbank Anfang Oktober an ihrer Prognose von 0,8 Prozent Wachstum für Russland im laufenden Jahr fest. Für 2027 und 2028 erwartet sie jeweils lediglich 0,7 Prozent und liegt damit noch unter dem Währungsfonds.

Eine Rezession sagt die neue IWF-Prognose nicht voraus. Sie beschreibt vielmehr zwei Jahre mit geringem Wachstum – trotz der Unterstützung durch höhere Rohstoffpreise und staatliche Rüstungsausgaben. Während die russischen Behörden für 2027 eine Beschleunigung einplanen, lässt der Fonds eine solche Belebung vorerst nicht erkennen.

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