Russlands Lachsfang: Halbierte Erwartungen, teurer Kaviar

Russlands Lachsfang: Halbierte Erwartungen, teurer Kaviar

Russlands Lachssaison bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die Regierung verlangt genauere Prognosen und höhere Produktionsmengen. Zugleich soll künstliche Intelligenz helfen, Fischschwärme aufzuspüren. Für Verbraucher zeichnet sich vor allem ein knappes Angebot an heimischem Lachskaviar ab.

Statt der ursprünglich erwarteten 227.000 Tonnen Lachs rechnet die russische Fischereibehörde Rosrybolowstwo inzwischen nur noch mit 110.000 Tonnen für das Gesamtjahr. Das entspricht einer Abwärtskorrektur um rund 52 Prozent. Vizepremier Dmitri Patruschew erklärte am 18. September auf dem Internationalen Fischereiforum, die Saison sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Wissenschaft müsse für präzisere Vorhersagen sorgen. Gleichzeitig forderte er die Branche auf, ihre Produktion weiter zu steigern. Die Versorgung des Binnenmarktes mit Fisch und die Erfüllung der Exportverpflichtungen seien dennoch gesichert, versicherte er. Diese Zusage betrifft Fisch insgesamt; sie beantwortet nicht die Frage nach Angebot und Preisen einzelner Arten.

Bereits Anfang Juli hatte sich eine schwache Saison abgezeichnet. Damals galt schon die Prognose von 227.000 Tonnen als außergewöhnlich niedrig. Branchenvertreter verwiesen auf die Erwärmung der Meere und Veränderungen im Fischvorkommen. Dabei entwickeln sich die Arten unterschiedlich: Rückgängen beim Lachs können größere Fänge anderer Fische gegenüberstehen.

Für den Markt für roten Kaviar hilft dieser Ausgleich wenig. Ein von Kommersant befragter Branchenvertreter schätzte im Juli, dass ein Lachsfang von etwa 200.000 Tonnen ungefähr 8.000 Tonnen Rogen liefern könnte. Für ein auskömmliches Angebot zu normalen Preisen seien dagegen rund 15.000 Tonnen Kaviar jährlich erforderlich. Schon damals berichtete die Zeitung von gestiegenen Großhandelspreisen und Einzelhandelspreisen von bis zu 15.000 Rubel je Kilogramm. Das sind Preisangaben vom Sommer, keine aktuelle Septembererhebung. Wie stark die Preise bis zum wichtigen Neujahrsgeschäft steigen, bleibt offen. Aus der nochmals gesenkten Fangprognose lässt sich zudem keine exakte Kaviarmenge ableiten.

Unterdessen setzt die Fischereiverwaltung auf digitale Unterstützung. Das ihr unterstellte Zentrum für Fischereiüberwachung und Kommunikation hat das System „Lozija“ entwickelt. Es verbindet Satelliten- und ozeanografische Daten mit Informationen über Fangmengen und Flottenbewegungen. Mithilfe künstlicher Intelligenz sollen daraus Hinweise auf aussichtsreiche Fanggebiete entstehen.

Erprobt wird die Technik unter anderem bei Iwashi-Sardinen, Pazifischem Makrelenhecht, Alaska-Seelachs, Pazifischem Kabeljau und Hering. Lachs gehört nicht zu den im Bericht genannten Arten. Das System soll die Suche erleichtern; die Entscheidung über Fanggebiet und Vorgehen bleibt bei der Besatzung. Veröffentlichte Zahlen über zusätzliche Fänge oder eingesparte Kosten nennt die Meldung nicht.

Die drei Meldungen zeigen damit unterschiedliche Grenzen der Planbarkeit: Genauere Prognosen könnten Unternehmen die Vorbereitung erleichtern, bessere Suchtechnik könnte den Aufwand auf See senken. Zusätzliche Lachsbestände entstehen dadurch jedoch nicht. Und eine insgesamt gesicherte Fischversorgung bedeutet noch lange keinen erschwinglichen Kaviar.

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