Russlands Investitionen werden heimischer – aber nicht unbedingt privater

Russlands Investitionen werden heimischer – aber nicht unbedingt privater

Russlands Regierung sieht bei der Finanzierung der Wirtschaft einen grundlegenden Strukturwandel. Investitionen würden zunehmend aus inländischen Quellen finanziert, während ausländisches Kapital an Bedeutung verliere, erklärte Vizepremier Alexander Nowak bei einer Sitzung des Rates für strategische Entwicklung und nationale Projekte.

Die wichtigsten Zahlen: Der Anteil sogenannter intellektueller Vermögenswerte an den Investitionen sei auf sieben Prozent gestiegen. Dazu zählen unter anderem Software, Patente sowie Forschungs- und Entwicklungsleistungen. Der Anteil unmittelbar aus den Haushalten finanzierten Investitionen sei dagegen auf 15,4 Prozent gesunken.

Ein Rückzug des Staates aus der Investitionstätigkeit lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Auf nur fünf große Staatsunternehmen entfallen nach Nowaks Angaben mehr als 15 Prozent sämtlicher Investitionen in Russland. Der Anteil dieser fünf Konzerne ist damit nahezu ebenso groß wie der aller Haushaltsmittel zusammen.

Der von Nowak beschriebene Strukturwandel betrifft daher zunächst die Herkunft der Finanzierung: Ausländische Kredite und Kapitalgeber werden durch Unternehmensgewinne, Abschreibungen, russische Banken und den heimischen Kapitalmarkt ersetzt. Das ist angesichts der Sanktionen und des weitgehend versperrten Zugangs zu westlichen Finanzmärkten weniger eine freiwillige Modernisierung als eine notwendige Anpassung.

Zugleich zeigen die aktuellen Daten, dass Russlands Investitionszyklus seinen Höhepunkt überschritten hat. Nach vier Jahren starken Wachstums sanken die Investitionen in das Anlagevermögen 2025 preisbereinigt um 2,3 Prozent. Nominal erreichten sie 42,64 Billionen Rubel. Im Jahresverlauf verstärkte sich der Rückgang: Nach einem Plus von 6,5 Prozent im ersten Quartal folgten Rückgänge von einem Prozent im zweiten, 4,3 Prozent im dritten und 5,3 Prozent im vierten Quartal. Interfax nach Angaben von Rosstat

Im ersten Quartal 2026 beschleunigte sich der Einbruch auf 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wirtschaftsministerium rechnet für das Gesamtjahr bislang mit einem Rückgang um 1,5 Prozent. Als Ursachen gelten die hohen Kreditzinsen, sinkende Unternehmensgewinne und attraktive Bankeinlagen, die Kapital von riskanteren Investitionen abziehen. Expert

Die Regierung will deshalb einen neuen Investitionszyklus einleiten. Priorität sollen die finanzielle Stabilisierung der Unternehmen, heimische Infrastruktur und Projekte zur technologischen Unabhängigkeit erhalten. Zusätzlich soll mehr Kapital über die Börse statt über teure Bankkredite mobilisiert werden.

Nowaks Zahlen beschreiben somit einen realen Wandel, aber noch keinen neuen Aufschwung. Russlands Investitionen werden stärker im eigenen Land finanziert, konzentrieren sich jedoch weiterhin erheblich bei staatsnahen Großunternehmen. Während sich die Finanzierungsstruktur verändert, geht das Investitionsvolumen zunächst zurück.

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