Die MS-21 bekommt FlügelSymbolfoto

Die MS-21 bekommt Flügel

Der erste seriennah gebaute und nach russischen Angaben vollständig importsubstituierte Passagierjet MS-21-310 hat seinen Jungfernflug absolviert. Die Maschine startete vom Flugplatz des Irkutsker Flugzeugwerks und blieb eine Stunde und 23 Minuten in der Luft. Dabei erreichte sie eine Höhe von 6.000 Metern und eine Geschwindigkeit von 600 Kilometern pro Stunde.

Während des Fluges überprüfte die Besatzung die Stabilität und Steuerbarkeit des Flugzeugs in unterschiedlichen Konfigurationen sowie die Funktion der russischen Bordsysteme. Nach Angaben des Testpiloten Roman Taskajew wurde das vorgesehene Programm vollständig erfüllt. Angetrieben wird die MS-21-310 von russischen PD-14-Triebwerken.

Im April 2025 war bereits ein Versuchsflugzeug mit neu entwickelten russischen Systemen und Aggregaten gestartet. Bei der nun geflogenen Maschine handelt es sich dagegen um das erste nach den vorgesehenen Serientechnologien gebaute Flugzeug. Der erfolgreiche Test soll dem Irkutsker Werk den Weg zur Fertigung einer ersten Serie von 18 Maschinen öffnen.

Die MS-21 ist ein einstrahliges Mittelstreckenflugzeug mit Platz für 163 bis 211 Passagiere und soll auf dem russischen Markt vor allem Maschinen von Airbus und Boeing ersetzen. Die Entwicklung begann 2009. Ursprünglich war der Beginn der Serienproduktion bereits für 2016 vorgesehen. Technische Probleme, Sanktionen und die notwendige Ersetzung zahlreicher ausländischer Komponenten führten jedoch zu wiederholten Verzögerungen.

Auch beim aktuellen Zeitplan bestehen noch unterschiedliche Angaben. Rostec strebt laut „Moscow Times“ den Abschluss der Zertifizierung bis Ende 2026 an. Russlands Industrieminister Anton Alichanow erklärte dagegen Ende Juni, das Flugerprobungsprogramm solle im ersten Quartal 2027 abgeschlossen und die Zulassung bis Juli 2027 erreicht werden. Erst danach können die Maschinen an russische Fluggesellschaften übergeben werden und den regulären Passagierbetrieb aufnehmen.

Wenige Tage vor dem Jungfernflug hatte Präsident Wladimir Putin das Werk in Irkutsk besucht und sich die Maschine zeigen lassen. Der erfolgreiche Start besitzt deshalb neben seiner technischen auch eine politische Bedeutung: Die MS-21 gilt als eines der wichtigsten Projekte der russischen Importsubstitution. Nach jahrelangen Ankündigungen und Terminverschiebungen hat das erste seriennah gebaute Flugzeug nun zumindest tatsächlich Flügel bekommen.

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