Reschetnikow fordert Spielraum für niedrigere Zinsen und mehr Effizienz in der Wirtschaft

Der russische Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow zeichnet in mehreren Aussagen ein Bild einer Wirtschaft, die zwar weiter wachsen soll, dafür aber niedrigere Zinsen, höhere Produktivität und eine bessere Verteilung von Arbeitskräften braucht. Ausgangspunkt seiner Argumentation ist die sinkende Inflation: Nach seinen Angaben lag die Jahresteuerung am 12. Mai bei 5,5%, für das Jahresende erwartet das Wirtschaftsministerium 5,2%. Das schaffe aus Sicht Reschetnikows „immer mehr Argumente“ für eine weitere Lockerung der Geldpolitik; die konkrete Entscheidung über Tempo und Umfang von Zinssenkungen liege aber beim Zentralbankrat.

Ein zweiter Schwerpunkt ist der Arbeitsmarkt. Reschetnikow verweist auf den anhaltenden Fachkräftemangel, durch den Unternehmen Beschäftigte mit höheren Löhnen anziehen müssen. Nach seiner Darstellung gibt es weiterhin Reserven für Lohnerhöhungen, allerdings nicht gleichmäßig in allen Branchen. Besonders stark seien zuletzt Tourismus und Gastronomie gewachsen, allerdings von einer niedrigen Basis aus; zuvor hätten Industrie und IT zu den Spitzenreitern gehört.

Zugleich formuliert Reschetnikow eine für russische Verhältnisse ungewöhnliche These: Ein gewisser Anstieg der Arbeitslosigkeit könne der Wirtschaft sogar helfen, weil Arbeitskräfte dann leichter aus weniger produktiven Bereichen in produktivere Jobs wechseln könnten. Hintergrund ist die extrem niedrige Arbeitslosenquote; Kommersant erinnert daran, dass Präsident Putin im April von 2,1% gesprochen hatte, während Zentralbankchefin Elwira Nabiullina auf den historischen Arbeitskräftemangel verwies.

Für eine Beschleunigung des BIP-Wachstums nennt Reschetnikow drei zentrale Hebel: strukturelle Reformen, Haushaltskonsolidierung und eine Priorisierung der Staatsausgaben. Gemeint ist, dass staatliche Mittel stärker auf Maßnahmen gelenkt werden sollen, die Investitionen, Beschäftigung und Produktivität erhöhen. Daneben betont er marktwirtschaftliche Elemente: freie Preisbildung, unternehmerische Freiheit, Offenheit nach außen und den Aufbau neuer Logistikketten.

Die wichtigste Wachstumsquelle soll nach seiner Einschätzung weiter die Binnennachfrage bleiben. Allerdings bremsten die hohen Zinsen den Konsum, weil Haushalte einen ungewöhnlich großen Teil ihrer Einkommen sparen: Für 2025 nennt Reschetnikow eine Sparquote von 16,6%, den historischen Höchstwert. Wenn die Zinsen sinken, erwartet das Ministerium, dass ein größerer Teil der Einkommen wieder in den Konsum fließt und so die Nachfrage stützt.

Insgesamt versucht Reschetnikow, zwei Botschaften zu verbinden: Die russische Wirtschaft soll nicht mehr vor allem durch Überhitzung, knappe Arbeitskräfte und hohe Staatsausgaben wachsen, sondern durch Produktivität, Investitionen und effizientere Strukturen. Gleichzeitig drängt er klar auf eine weniger straffe Geldpolitik, weil niedrigere Zinsen aus seiner Sicht notwendig sind, um Konsum, Investitionen und BIP-Wachstum wieder anzuschieben.

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