Russischer Haushalt nimmt 52 Milliarden Rubel durch „Reichensteuer“ ein

Russischer Haushalt nimmt 52 Milliarden Rubel durch „Reichensteuer“ ein

Der russische Staatshaushalt hat im ersten Quartal 2026 deutlich mehr Geld aus den erhöhten Einkommensteuersätzen für Spitzenverdiener eingenommen. Nach Angaben der Steuerbehörde FNS, über die zunächst „Iswestija“ und anschließend „Expert“ berichteten, flossen von Januar bis März 52,4 Milliarden Rubel aus dem sogenannten „Steuerzuschlag für Reiche“ in den föderalen Haushalt. Das waren 38 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Mehr als die Hälfte der Einnahmen entfiel auf Moskau. Die Hauptstadt brachte demnach fast 28,8 Milliarden Rubel ein. Der Analyst Wladimir Tschernow von Freedom Finance Global erklärte dies mit der starken Konzentration großer Unternehmen, Banken, IT-Firmen und des Finanzsektors in der Metropole.

Das russische Finanzministerium sieht die Entwicklung im Rahmen der Erwartungen, die bereits im Haushalt berücksichtigt seien. Neben steigenden Löhnen hätten auch Einnahmen aus Bankeinlagen eine Rolle gespielt, da die Zinsen im vergangenen Jahr hoch waren. Weitere Experten verweisen auf nominal steigende Gehälter, schärfere Steuerverwaltung sowie zusätzliche Einkommen aus Immobilienverkäufen und Vermietung. Die Nominallöhne waren 2025 nach den im Bericht genannten Angaben um 13,5 Prozent gestiegen.

Die sogenannte „Reichensteuer“ ist Teil der seit 2025 geltenden fünfstufigen Einkommensteuer. Der erhöhte Satz greift bei Jahreseinkommen oberhalb von 2,4 Millionen Rubel, wobei jeweils nur der Betrag oberhalb der Schwelle höher besteuert wird. Für Einkommen zwischen 2,4 und 5 Millionen Rubel gilt ein Satz von 15 Prozent, zwischen 5 und 20 Millionen Rubel 18 Prozent, zwischen 20 und 50 Millionen Rubel 20 Prozent und oberhalb von 50 Millionen Rubel 22 Prozent. Die Einnahmen oberhalb des Basissatzes von 13 Prozent gehen vollständig an den föderalen Haushalt.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Regierung mit mehr als einer Billion Rubel Einnahmen aus der Einkommensteuer. Das wäre rund ein Drittel mehr als im Vorjahr, als 763 Milliarden Rubel zusammenkamen. Ob die höheren Einnahmen die Haushaltslage spürbar entspannen, ist allerdings fraglich. Nach Angaben des Finanzministeriums erreichte das Defizit des föderalen Haushalts bis Ende April bereits 5,8 Billionen Rubel – bei einem ursprünglich geplanten Jahresdefizit von 3,8 Billionen Rubel.

Damit liefert die höhere Besteuerung wohlhabender Bürger zwar zusätzliche Mittel für einzelne Ausgabenposten. Die strukturellen Probleme des russischen Haushalts kann sie jedoch kaum lösen. Der Staat nimmt mehr ein, doch zugleich wachsen auch die Ausgaben – nicht zuletzt durch die anhaltend hohen Kosten des Krieges und der staatlichen Stützungsprogramme.

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