Die russische Zentralbankchefin Elvira Nabiullina hat Vorwürfe zurückgewiesen, der Leitzinskurs der Zentralbank bremse absichtlich das Wirtschaftswachstum. Laut Kommersant sagte sie, der Zentralbank bleibe angesichts der hohen Inflation „im Grunde keine Wahl“. Man müsse den Inflationsmechanismus stoppen, ohne zugleich die Entwicklungsmöglichkeiten der Wirtschaft zu beschädigen.
Nach Darstellung von Expert machte Nabiullina deutlich, dass Geldpolitik strukturelle Probleme der russischen Wirtschaft nicht lösen könne. Für stabiles Wachstum brauche Russland vor allem eine höhere Arbeitsproduktivität. Damit verlagert sie die Verantwortung weg von der Zentralbank und hin zu den grundlegenden Engpässen der Wirtschaft: Arbeitskräfte, Produktivität, Investitionen und Effizienz.
Nabiullina betonte zugleich, sie sehe derzeit keine systemischen Risiken für die Finanzstabilität. Der Leitzins sei im Vergleich zum Vorjahr bereits deutlich gesenkt worden: Kommersant schreibt, vor einem Jahr habe er noch bei 21 Prozent gelegen, inzwischen sei er um 6,5 Prozentpunkte niedriger. Expert nennt konkret die jüngste Senkung vom 24. April: Der Zentralbankrat habe den Satz um 0,5 Prozentpunkte von 15 auf 14,5 Prozent reduziert; es sei die achte Senkung in Folge gewesen.
Politisch ist die Aussage heikel, weil der Druck auf die Zentralbank wächst. Präsident Wladimir Putin hatte Mitte April darauf hingewiesen, dass Russlands Wirtschaft schwächer wachse als von Analysten und Zentralbank erwartet. Für Januar und Februar 2026 nannte er laut Expert sogar einen Rückgang des BIP um 1,8 Prozent und forderte eine Rückkehr zum Wachstum. Gleichzeitig liegt die Arbeitslosigkeit offiziell bei nur 2,1 Prozent, was auf einen angespannten Arbeitsmarkt und begrenzte Produktionsreserven hindeutet.
Der Kernkonflikt lautet damit: Die Regierung will Wachstum, Unternehmen wollen billigeres Geld, die Zentralbank warnt vor Inflation. Nabiullina sagt im Grunde, schnelles Wachstum auf Pump sei keine Lösung, solange die Wirtschaft an Kapazitätsgrenzen stößt. Schärfer formuliert: Moskau möchte gleichzeitig niedrige Inflation, billige Kredite, hohe Staatsausgaben und Wachstum — doch die Zentralbankchefin erinnert daran, dass diese Gleichung nicht beliebig aufgeht.

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