Die Bank von Russland erwartet in den nächsten fünf Jahren einen deutlichen Anstieg des Bargeldumlaufs. Das geht aus dem Dokument „Grundlegende Richtungen der Entwicklung des Bargeldumlaufs für die Jahre 2026–2030“ hervor, worauf zuerst die Zeitung Iswestija hingewiesen hat.
Anfang 2026 belief sich der Bargeldbestand auf 19,7 Billionen Rubel (derzeit 217,1 Milliarden Euro) und könnte bis Ende 2030 auf 23,9 Billionen Rubel (263,4 Milliarden Euro) (plus 21 Prozent im Basisszenario) oder auf 26,6 Billionen Rubel (293,2 Milliarden Euro) (plus 35 Prozent im dynamischen Szenario) ansteigen.
Die Prognose deutet darauf hin, dass sich der Rückgang des Bargeldanteils – von 25,7 Prozent (2021) auf 12,2 Prozent (2025) – sowie das Wachstum bargeldloser Zahlungen verlangsamen. Nach Schätzungen der Zentralbank dürfte sich der Anteil der Barzahlungen in den kommenden Jahren bei etwa 10 Prozent stabilisieren.
Daten großer Banken und Umfragen bestätigen die anhaltende Nachfrage nach Bargeld. So teilte die Pressestelle der Alfa-Bank der Zeitung mit, dass etwa 45 Prozent der Russen weiterhin Bargeld für Einkäufe verwenden. Laut Russkij Standard hoben Kunden von Januar bis September 2025 überwiegend Bargeld an Geldautomaten ab; solche Transaktionen machten 55 Prozent des Gesamtvolumens aus. Das könne laut Iswestija auf die Tendenz hindeuten, Geld „in der Hand“ zu behalten.
Iswestija wandte sich zudem an weitere große Banken sowie an Zentralbank und Wirtschaftsministerium, um zusätzliche Angaben zum erwarteten Anstieg zu erhalten.
Als Hauptgründe nennen befragte Experten psychologische Faktoren und das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit in unsicheren Zeiten – außerdem Störungen im Internetbetrieb sowie strengere Bankkontrollen bei verdächtigen Transaktionen. Einige Bürger hätten sich deshalb entschieden, häufiger Bargeld zu nutzen, um Sperrungen zu vermeiden, sagte Olga Belenkaja, von der Finanzgruppe Finam.
Der Anstieg des Bargeldvolumens setzt laut Iswestija bereits das Finanzsystem unter Druck: 2025 habe er nach Angaben der Zentralbank zu einem Abfluss von Liquidität aus den Banken in Höhe von etwa einer Billion Rubel (11,0 Milliarden Euro) geführt. Ökonomen warnen zudem vor zusätzlichen Risiken, da mehr Bargeld die Kontrollmöglichkeiten einschränken und das Wachstum des Schattensektors begünstigen könne. Natalja Miltschakowavon Freedom Finance Global, sagte: „Ein Anstieg des Bargeldumlaufs um 35 Prozent in fünf Jahren könnte bedeuten, dass die Schattengeschäfte nicht zurückgehen, sondern im Gegenteil zunehmen werden.“
Am 8. Dezember forderte der russische Präsident Wladimir Putin eine verstärkte Kontrolle des Bargeldumlaufs, um die Schattenwirtschaft zu bekämpfen. Zu den diskutierten Maßnahmen gehören mögliche Beschränkungen bei der Registrierung von Immobilientransaktionen im Wert von über 5 Millionen Rubel (55.100 Euro).

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