Billige Arzneimittel in der ApothekeApotheke Stare Arbat 150817 bild © wietek

Billige Arzneimittel in der Apotheke

Apotheken soll verboten werden, teure Medikamente zu verkaufen, wenn es billigere Analoga gibt.

In Russland gibt es etwa 63.000 Apotheken – zusammen mit Drogerien und Kiosken, in denen auch Medikamente verkauft werden dürfen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen wird als vernetzt bezeichnet, da schon ein Geschäft mit mehreren Verkaufsstellen als Netzwerk gilt.

Nachdem die Einzelhandelsketten juristisch reguliert worden sind, beabsichtigen die Behörden jetzt, die Aktivitäten von Apotheken zu regulieren.

Der Leiter der allrussischen öffentlichen Organisation „Liga der Patientenbeschützer“ Alexander Sawerski ist sich sicher, dass, da es für Apotheken rentabler ist, teure Medikamente zu verkaufen, die billigeren Analoga aus dem Sortiment „gewaschen“ werden. „Es gibt ein Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln, aber kein Gesetz über die Bereitstellung von Arzneimitteln für Patienten. Deshalb wird das Medikament irgendwie getrennt von den Patienten behandelt. Es ist ratsam, ein Gesetz über die Bereitstellung von Medikamenten zu erarbeiten“, so der Experte.

Andrej Isajew, der erste stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Einiges Russland in der Staatsduma, kündigte die Einrichtung einer Arbeitsgruppe im Unterhaus des Parlaments an, um ein umfassendes Gesetz über Apothekenketten auszuarbeiten. Während Einzelhandelsketten bereits gut reguliert sind, fehle das Konzept der Apothekenketten in der Gesetzgebung vollständig, so dass die den Einzelhandelsketten auferlegten kartellrechtlichen Beschränkungen für Apothekenketten nicht gelten. Auch Isajew ist der Meinung, dass eines der Hauptprobleme die Abgabe von teuren Medikamenten an Apothekenschaltern anstelle von preiswerteren ist. Oft würden den Käufern die nicht weniger qualitativ guten Analoga nicht einmal angeboten.

Die Arbeitsgruppe zur Entwicklung des neuen Gesetzes wird sich aus Vertretern aller Fraktionen, Fachausschüssen sowie des Gesundheitsministeriums, des Ministeriums für Industrie und Handel und öffentlicher Verbände zusammensetzen. Die Änderungen zielen darauf ab, Medikamente billiger und für die Menschen zugänglicher zu machen, versprach Isajew.

Die Strategie für die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie in Russland bis 2030, die vom Ministerium für Industrie und Handel im vergangenen Jahr ausgearbeitet wurde, stellt fest, dass das Wachstum der Apothekenketten in den letzten zehn Jahren nicht zu einer Senkung der Kosten für Arzneimittel und einer Erhöhung ihrer Verfügbarkeit, sondern zu dem umgekehrten Ergebnis geführt hat.

„Es findet eine konsequente Konsolidierung der Apothekenketten statt. Die Preise für alle wichtigen Produkte steigen aufgrund des Wettbewerbs zwischen den Apothekenketten bei der Suche nach Boni der Hersteller“, betont das Dokument. Es wird auch darauf hingewiesen, dass überdurchschnittlich viele Apotheken an Orten mit hoher Kaufkraft und hohem Warenfluss entstehen und unzureichend viele an Orten mit geringer Bevölkerungsdichte, was zu territorial bedingtem Mangel an Medikamenten führt.

Sergei Schuljak, CEO der DSM Group, bestätigt, dass Hersteller angestellte Apothekenleiter bezahlen, damit diese ihre Medikamente mit in die Regale nehmen. „Aber das gibt es auch im Einzelhandel“, sagt Schuljak. Darüber hinaus ist er nicht der Meinung, dass die Medikamente in den Apothekenketten zu teuer seien. Etwa 60 Prozent der in Apotheken verkauften Medikamente kosteten bis zu 150 Rubel (2 €) pro Packung.“ Die Kosten für lebenswichtige und wichtige Medikamente werden vom Staat geregelt.

Schuljak hält eine übermäßige Regulierung in der Pharmaindustrie für überflüssig. „Der Markt wird alles selbst regulieren.“ Jetzt werden Kredite nur mit großen Schwierigkeiten gegeben, Händler verkaufen Waren nur mit Bankgarantien und mit der Einführung von Online-Kassen ist das Bezahlen von Steuern sichergestellt. Damit ist die Zeit des schnellen Geldes in der Pharmaindustrie vorbei, so Schuljak.

[hmw/russland.NEWS]

Kommentare